Israel zunehmend besorgt über C-Waffen in syrischer Rebellenhand

Sonntag, 27. Januar 2013, 13:36 Uhr
 

Jerusalem (Reuters) - In der israelischen Regierung wächst die Sorge, dass syrische Chemiewaffen in die Hände der Rebellen oder von Feinden im benachbarten Libanon geraten könnten.

In ungewöhnlich deutlichen Worten warnte Vize-Ministerpräsident Silwan Schalom am Sonntag im israelischen Armeerundfunk vor einem "Überschreiten roter Linien" durch die Rebellen. Sollten die Aufständischen oder die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah in den Besitz syrischer Massenvernichtungswaffen kommen, würde dies die militärischen Kapazitäten dieser Gruppen dramatisch verändern, warnte Schalom.

Eine solche Entwicklung bedeute "das Überschreiten aller roten Linien und würde eine neue Herangehensweise" auf Seiten Israels nötig machen, einschließlich vorbeugender Operationen, sagte der Vize-Premier in Anspielung auf ein Eingreifen des jüdischen Staates in den Konflikt. Mitglieder des israelischen Generalstabs haben bereits früher erklärt, die Notfallpläne für einen militärischen Einsatz lägen in der Schublade.

GEFECHTSLÄRM AUS SYRIEN IST DAUERZUSTAND AUF DEN GOLAN-HÖHEN

Der Bürgerkrieg in Syrien hat in der Vergangenheit immer wieder sporadisch auf Israel übergegriffen. Granaten und Raketen waren auf den israelisch annektierten Golan-Höhen eingeschlagen und hatten auch bereits zu Opfern geführt. Die Regierung bemühte sich aber stets, die Bedeutung solcher Zwischenfälle nicht zu überhöhen.

Auf dem Golan ist der Gefechtslärm aus dem nahen Syrien ein dauerhafter Begleiter. Kämpfe finden teilweise in Sichtweite zu israelischen Dörfern statt. Die israelische Regierung scheut davor zurück, auf den Beschuss seines Gebietes zu reagieren, um nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden. Als die israelische Armee einmal im November auf einen Granatbeschuss aus Syrien ebenfalls mit Artilleriefeuer reagiert hatte, hatten Rebellen sogleich verbreitet, Israel greife zugunsten von Machthaber Baschar al-Assad in den Konflikt ein. Viele der Rebellen sind Islamisten, die Israel ebenso hassen wie das Regime von Assad.

Auch vor diesem heiklen Hintergrund scheinen Schaloms Warnungen bedeutsam. "Das Konzept ist, eine Verbreitung dieser Waffen zu verhindern", sagte er in dem Interview. "In dem Moment, in dem wir davon ausgehen müssen, dass dies geschieht, müssen wir Entscheidungen treffen", warnte er. Zivilschutzminister Avi Dichter sagte in einem weiteren Interview, Syrien stehe am Rande des Zusammenbruchs. Auf die Frage, ob die Lage dort eine unmittelbare Bedrohung darstelle, antwortete er aber: "Nein, noch nicht."

Als weiteres Zeichen für die Nervosität vor einem Übergreifen des Konflikts in Israel kann auch ein Treffen gewertet werden, das Schalom bestätigte. Demnach versammelte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwoch - noch während der Auszählung der Stimmen zur Parlamentswahl am Vortag - wichtige Minister, um über die Lage in Syrien zu beraten.

Das genaue Ausmaß des Chemiewaffenarsenals Syriens ist nicht bekannt. Westliche Staaten gehen aber von einem riesigen Bestand aus, der an vier verschiedenen Stellen gelagert werde. Assad selbst hatte versichert, Chemiewaffen nur im Falle eines ausländischen Angriffs einzusetzen.