EU-Behörde prüft Thrombose-Gefahren von Antibaby-Pillen

Montag, 28. Januar 2013, 18:49 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die europäische Arzneimittelbehörde EMA will neuere Antibaby-Pillen wegen möglicher Thrombose-Gefahren unter die Lupe nehmen.

Frankreich habe die Behörde gebeten zu prüfen, ob der Einsatz von Verhütungsmitteln der sogenannten dritten und vierten Generation eingeschränkt werden sollte, teilte die EMA am Montag in London mit. Frankreich wolle den Einsatz dieser Verhütungsmittel zugunsten älterer Präparate der sogenannten zweiten Generation einschränken. Alle Antibaby-Pillen bergen das Risiko von Thrombosen. Bei neueren Präparaten der dritten und vierten Generation wie den Bayer-Pillen Meliane und Yasmin ist die Gefahr Studien zufolge aber höher als bei älteren Verhütungsmitteln.

In Frankreich war die Diskussion über die Risiken der Pille vor einigen Wochen neu aufgeflammt. Für Schlagzeilen sorgte der Fall einer jungen Frau, die die Arzneimittelaufsicht und den Bayer-Konzern wegen schwerer Gesundheitsschäden nach Einnahme des Bayer-Medikaments Meliane verklagt hat - einer Pille der dritten Generation. Bayer will die Vorwürfe prüfen. In Frankreich werden die Verschreibungskosten für Antibaby-Pillen noch zu 100 Prozent erstattet. Das will Frankreich aber bei den neueren Pillen ändern.

Pillen der dritten und vierten Generation sind deshalb so beliebt, weil sie weniger unerwünschten Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme aufweisen als ältere Pillen. Die Arzneiexperten der EMA wollen nun untersuchen, ob die aktuellen Informationen für Frauen in den Beipackzetteln und die Fachinformationen für Ärzte verbessert werden müssen. Anfang Februar will die EU-Behörde über die Ergebnisse berichten. Thrombosen werden durch Gerinnsel in den Blutgefäßen ausgelöst. Wandern sie in die Lunge oder in das Gehirn, kann es zu lebensgefährlichen Embolien und Schlaganfällen kommen. Auch die US-Konzerne Pfizer , Merck & Co und Mylan sowie die israelische Teva stellen Pillen der dritten und vierten Generation her.

In Frankreich untersucht die Arzneimittelaufsicht ANSM inzwischen die Verschreibungspraxis von Ärzten. Sie will herausfinden, ob Ärzte womöglich Frauen zu oft solche neueren Pillen verschreiben, die höhere Risiken bergen. Auch in den USA währt die Diskussion um Thrombosegefahren dieser Antibaby-Pillen schon seit geraumer Zeit. Dort hatte die US-Gesundheitsbehörde im vergangenen Jahr angeordnet, die Warnhinweise in den Beipackzetteln zu verschärfen.

NEUES UNGEMACH FÜR BAYER WEGEN DIANE 35

Unterdessen gerät Bayer in Frankreich auch mit einer anderen Pille in die Schlagzeilen. Die Gesundheitsbehörde ANSM leitete eine Untersuchung gegen das ältere Bayer-Mittel Diane-35 ein. Die Aufsichtsbehörde hatte Sonntag mitgeteilt, vier Todesfälle würden auf Thrombosen in Zusammenhang mit dem Medikament zurückgeführt, das gegen Akne und als Verhütungsmittel im Gebrauch ist. Drei weitere Todesfälle, über die die Medien berichtet hatten, hätten wohl andere Ursachen gehabt. Laut ANSM nahmen in Frankreich im vergangenen Jahr 325.000 Frauen das Medikament ein. Die Gesundheitsbehörde will nun den Einsatz des Mittels als Verhütungsmittel unterbinden.