Letzte Rebellenhochburg im Norden Malis vor Einnahme

Mittwoch, 30. Januar 2013, 16:27 Uhr
 

Douentza (Reuters) - Knapp drei Wochen nach dem Beginn des französischen Militäreinsatzes in Mali steht die letzte Rebellenhochburg im Norden des Wüstenstaates vor der Einnahme.

Die Soldaten brachten den Flughafen der Sahara-Stadt Kidal unter ihre Kontrolle, wie die Streitkräfte am Mittwoch mitteilten. Der Präsident des Regionalparlamentes sagte, die Truppen hätten mehrere Flugzeuge und Hubschrauber dort stationiert. Demnach gab es zunächst keine Anzeichen, dass die Rebellen Widerstand leisteten. Die französischen Streitkräfte hatten zuvor bereits die Städte Gao und Timbuktu zurückerobert. Experten zufolge überstanden wertvolle Kulturgüter in Timbuktu die zehnmonatige Herrschaft der Islamisten weitgehend unbeschädigt.

Ein Sprecher der französischen Streitkräfte bestätigte in Paris, dass die Soldaten nach Kidal vorrückten. "Der Einsatz dauert noch immer an." Einzelheiten nannte er nicht. Ob die französischen Soldaten von malischen Truppen unterstützt wurden, war unklar. Tuareg-Rebellen nahmen nach eigenem Bekunden in dieser Woche Kidal ein, nachdem Islamisten die Stadt aufgegeben hatten. Die Tuareg-Gruppe MNLA und die Islamisten kämpften ursprünglich gemeinsam, gingen seit Mitte vergangenen Jahres jedoch getrennte Wege.

Kidal liegt etwa 1200 Kilometer nordöstlich der malischen Hauptstadt Bamako. In der gleichnamigen Wüstenregion sollen sich islamistische Kämpfer vor französischen Luftangriffen versteckt haben. Die Kämpfer sind Verbündete der Al-Kaida.

Der französische Außenminister Laurent Fabius räumte ein, dass die Lage jetzt schwieriger werden könnte. "Wir müssen sehr vorsichtig sein", sagte er der Zeitung "Le Parisien". Das Risiko von Anschlägen oder Geiselnahmen sei extrem hoch. Französische Interessen seien in der ganzen Sahelzone bedroht. Frankreich setzt 3500 Soldaten allein am Boden ein und will die Verantwortung für den Kampf gegen die Islamisten rasch an mehrere afrikanische Staaten abgeben. "Wir werden schnell wieder gehen", sagte Fabius.

Allerdings ist unklar, wann die afrikanische Truppe einsatzbereit ist. Frankreich und Mali werden in dem Krieg auch von anderen westlichen Staaten unterstützt. So hilft Deutschland mit Flugzeugen vom Typ Transall beim Truppentransport.

SCHRIFTEN WURDEN VOR ISLAMISTEN OFFENBAR VERSTECKT

Experten äußerten sich unterdessen erleichtert, dass die meisten historischen Schriften in Timbuktu trotz der Brandschatzungen der Islamisten unbeschädigt blieben. Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr, sind offenbar 95 Prozent der kostbaren Dokumente gesichert. Auch der Historiker Shamil Jeppie von der Universität Kapstadt sagte, nach seinen Erkenntnissen sei die große Mehrheit der Manuskripte unversehrt.

Aus malischen Kreisen verlautete, Sammler und Verwalter hätten die Dokumente vor den Rebellen in Sicherheit gebracht. Die schätzungsweise 300.000 Texte enthalten Abhandlungen über Themen wie Recht, Wissenschaften, Medizin, Geschichte oder Politik. Manche Experten halten sie für ähnlich bedeutend wie die Schriftrollen vom Toten Meer. Einige der Dokumente in Timbuktu stammen aus dem 13. Jahrhundert. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe und besteht aus einem Labyrinth aus engen Gassen, Moscheen und Lehmziegelhäusern.

 
A Malian soldier displays ammunition seized from Islamists rebels after their departure, in Timbuktu January 29, 2013. REUTERS/Francois Rihouay (MALI - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)