Neue Proteste gegen Mursi in mehreren ägyptischen Städten

Freitag, 1. Februar 2013, 16:24 Uhr
 

Kairo/Port Said (Reuters) - Tausende Ägypter haben am Freitag in mehreren Städten erneut gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi demonstriert.

In Port Said am Suez-Kanal zogen Männer in schwarzen Trauergewändern durch die Straßen und skandierten: "Mursi ist der Feind Gottes". Auch in der Hafenstadt Alexandria, in Ismailia und in Kairo gab es Protestmärsche gegen Mursi. In der Hauptstadt hatten dessen Gegner zu einem Marsch auf den Präsidentenpalast aufgerufen.

Seit vergangenen Freitag, dem zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den früheren Diktator Husni Mubarak, wurden rund 60 Menschen bei Protesten gegen Mursi getötet. Die blutigsten Auseinandersetzungen mit Dutzenden Toten hatte es in Port Said gegeben. "Wir werden sterben so wie sie, um Gerechtigkeit zu erzwingen", riefen die Demonstranten. Freitag war auch der Jahrestag der Fußballkrawalle von Port Said, bei denen im vergangenen Jahr 70 Menschen umkamen. Die Todesurteile gegen 21 mutmaßliche Anführer der Krawalle hatten am Samstag die Unruhen dort ausgelöst. Mursi hatte daraufhin für Port Said und andere Städte entlang des Suez-Kanals den Notstand ausgerufen und nächtliche Ausgangssperren verhängt.

In Kairo versammelten sich Hunderte Demonstranten in strömendem Regen auf dem zentralen Tahrir-Platz. Nach den Freitagsgebeten wurde mit weiterem Zulauf und einem Marsch auf den Präsidentenpalast gerechnet. Dort war es in der Vergangenheit wiederholt zu Zusammenstößen mit Anhängern der Muslimbruderschaft gekommen.

OPPOSITION RUFT ZU FRIEDLICHEN PROTESTEN AUF

Am Donnerstag hatten die Muslimbrüder, die Mursi unterstützen, und Oppositionsgruppen in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Doch kaum endete das Krisentreffen, zu dem der führende islamische Geistliche Scheich Ahmed al-Tajeb eingeladen hatte, kündigte die Opposition in der Nacht zu Freitag neue Kundgebungen an. "Wir haben das Mubarak-Regime mit einer friedlichen Revolution zu Fall gebracht, und wir sind entschlossen, dieselben Ziele genau so wie damals zu erreichen, ganz gleich, wie groß die Opfer oder die barbarische Unterdrückung sind", schrieb Oppositionsführer Mohamed ElBaradei via Twitter.

Der linke Oppositionelle Hamdin Sabahi betonte, die Friedensinitiative zu unterzeichnen bedeute nicht das Ende der Proteste. Er werde nicht in einen Dialog eintreten, bis das Blutvergießen beendet sei.

Die Opposition wirft Mursi vor, die Ziele und den Geist der Revolution verraten zu haben, indem er zuviel Macht in seiner Hand und bei den Muslimbrüdern konzentriere. Diese wiederum halten der Opposition vor, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stürzen zu wollen.

 
A man holds a cross and the Koran at Tahrir Square in Cairo February 1, 2013. REUTERS/Mohamed Abd El Ghany