Malis Soldaten bekämpfen sich gegenseitig

Freitag, 8. Februar 2013, 15:02 Uhr
 

Bamako/Dakar (Reuters) - Während Soldaten aus Frankreich und Chad im Norden Malis die Islamisten bekämpfen, haben sich Regierungssoldaten und meuternde Fallschirmjäger am Freitag in der Hauptstadt Bamako gegenseitig beschossen.

Bewohner der Stadt flohen in Panik, als heftiges Gewehrfeuer an der Kaserne der Fallschirmjäger ausbrach und Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen das Camp umstellten. Nach Angaben malischer Offiziere eröffneten einige Fallschirmjäger das Feuer, weil sie sich gegen geplante Versetzungen wehren wollten. Frankreich meldete unterdessen die Einnahme einer weiteren Stadt im Norden.

Die Fallschirmjäger-Elitetruppe steht noch immer loyal zu dem vor knapp einem Jahr bei einem Militärputsch gestürzten Präsidenten Amadou Toumani Toure. Bei den Schusswechseln sei mindestens ein Mensch getötet worden, berichteten staatliche Medien. Die Kämpfe zeigen die seit dem Putsch im März des vergangenen Jahres herrschende Zerrissenheit des malischen Militärs. Tuareg-Rebellen und später islamische Extremisten nutzten diese Situation, um den Norden des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen. Frankreich hat mit einer Militäroffensive inzwischen die Islamisten aus den wichtigsten Städte dort vertrieben. Zuletzt sei es den französischen Soldaten gelungen, zusammen mit Truppen aus dem Tschad die Stadt Tessalit an der Grenze zu Algerien und den dort liegenden Flugplatz unter ihre Kontrolle zu bringen, teilte das Verteidigungsministerium in Paris mit.

KÄMPFE IN BAMAKO LASSEN SIEGESSTIMMUNG VERFLIEGEN

Nach den Auseinandersetzungen zwischen den malischen Soldaten am Freitag ist die Siegesstimmung in der Hauptstadt Bamako aber wieder verflogen. "Ich verstehe nicht, dass malische Soldaten, anstatt an die Front zu gehen, wegen eines dummen Streits gegeneinander kämpfen, während französische und andere afrikanische Soldaten hier unseren Krieg führen", sagte eine Frau namens Assa, die sich vor den Schüssen in Bamako in Sicherheit brachte. "Das ist wirklich eine Schande", fügte sie hinzu.

Die wegen ihrer roten Barette bekannten Fallschirmjäger gelten als Elitetruppe, sind seit dem Putsch im März aber ins Abseits gestellt worden. Einige wurden inhaftiert. Bei Protestaktionen in Bamako hatten sie kürzlich gefordert, im Kampf gegen die Islamisten mit eingesetzt zu werden.

Die Islamisten haben unterdessen wie erwartet ihre Taktik geändert. An einem Kontrollpunkt nördlich der Stadt Gao sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft. Ein malischer Soldat sei dabei verletzt worden, sagte ein Offizier. Der Attentäter sei ums Leben gekommen. Die Islamisten waren erst kürzlich aus der Stadt in der Sahara vertrieben worden. Seit Beginn des französischen Militäreinsatzes war es der erste bekanntgewordene Selbstmordanschlag im Norden Malis.

 
Hundreds of Chadian soldiers form a line with their vehicles in the northeastern town of Kidal, Mali, February 7, 2013. Around 1,000 troops from Chad led by the president's son advanced towards the mountains of northeast Mali on Thursday to join French search-and-destroy operations hunting Islamist jihadists. Picture taken February 7, 2013. REUTERS/Cheick Diouara (MALI - Tags: CIVIL UNREST POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY CONFLICT)