UN: Täglich fliehen 5000 Menschen aus Syrien

Freitag, 8. Februar 2013, 16:29 Uhr
 

Genf/Amman (Reuters) - Jeden Tag fliehen 5000 Syrer nach Angaben der Vereinten Nationen vor dem Bürgerkrieg in die Nachbarländer.

Im Januar sei die Zahl der registrierten Flüchtlinge während eines Monats um 25 Prozent gestiegen, sagte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Freitag in Genf. In Damaskus versuchten Regierungskräfte, einen von Rebellen eroberten Abschnitt der Ringstraße um die Hauptstadt zurückzugewinnen. Die Rebellen stehen rund zwei Kilometer vor den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen in der Stadt. In Deutschland regte Unionsfraktionschef Volker Kauder eine Flugverbotszone in Syrien an.

Seit Beginn des Konflikts vor knapp zwei Jahren seien rund 787.000 Menschen aus Syrien vor allem in den Libanon, den Irak, nach Jordanien und die Türkei geflohen, sagte der UNHCR-Sprecher. Sollte die Entwicklung so weitergehen, könnte in den nächsten Monaten die Zahl von einer Million erreicht werden. Die Türkei hat nach eigenen Angaben bislang rund 600 Millionen Dollar für die Betreuung für mehr als 177.000 Flüchtlingen aufgewendet. Die Regierung in Ankara beklagte, sie habe bislang lediglich 35 Millionen Dollar an internationaler Hilfe erhalten.

Das UN-Kinderhilfswerk warnte vor Trinkwasserknappheit in Syrien. Schäden am Leitungs- und Sanitärsystem schränkten die Versorgung stark ein. In den Konfliktgebieten liege die Versorgungsleistung nur noch bei rund einem Drittel des Standes von vor der Krise.

KÄMPFE IN DAMASKUS - MINDESTENS 50 TOTE BEI HOMS

Die Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungskräften gingen mit unverminderter Härte weiter. Nahe der Stadt Homs wurden nach Angaben von Menschenrechtlern am Mittwoch bei einem Angriff auf Arbeiter einer Militärfabrik 54 Menschen getötet, darunter elf Frauen. Der Bus der Arbeiter sei von einem Sprengsatz getroffen worden, berichtete die der Opposition nahestehende Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag. Bislang bekannte sich niemand zu der Tat. Oppositionsvertreter zeigten sich erbost über den Anschlag und machten islamistische Extremisten verantwortlich.

In der Hauptstadt versuchten Regierungssoldaten, die Kontrolle über einen Teil der Ringstraße zurückzuerobern. Rebellen hatten den Bereich im Bezirk Dschobar am Mittwoch eingenommen. Zeugen berichteten von schweren Gefechten. Kampfflugzeuge beschössen die Region mit Raketen.

Für Diskussion in Deutschland sorgte ein Vorschlag von Unionsfraktionschef Kauder zur Einrichtung einer Flugverbotszone. Die Bundesregierung reagierte zurückhaltend. "Darüber ist nie gesprochen worden, und es war auch nie die Absicht, wenn ich das recht in Erinnerung habe", sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Auch das Auswärtige Amt hielt sich bedeckt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte berichtet, Kauder habe bei einem Besuch in Kairo die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien grundsätzlich begrüßt. Eine Sprecherin der Unionsfraktion ergänzte, Kauder knüpfe dies an zwei Bedingungen. Zum einen müsse Russland zustimmen, zum anderen müsse es einen Plan für die Zeit nach Beendigung der Kämpfe geben.

In Libyen war die Einrichtung einer Flugverbotszone der Beginn des internationalen Einsatzes. Ein Staatenbündnis um Frankreich bombardierte daraufhin die libyschen Streitkräfte und deckte damit den Vormarsch der Rebellen, die Staatschef Muammar Gaddafi schließlich stürzten.

 
Syrian refugees are seen in a refugee camp on the Syrian side of the border with Turkey, near Idlib January 29, 2013, in this picture provided by Shaam News Network. Picture taken January 29, 2013. REUTERS/Muhammad Najdet Qadour/Shaam News Network/Handout (SYRIA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST CONFLICT SOCIETY IMMIGRATION POVERTY) ATTENTION EDITORS - THIS PICTURE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THE AUTHENTICITY, CONTENT, LOCATION OR DATE OF THIS IMAGE. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. THIS PICTURE IS DISTRIBUTED EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS