Benedikt XVI. will sich aus Papst-Wahl heraushalten

Dienstag, 12. Februar 2013, 16:26 Uhr
 

Vatikan-Stadt/Berlin (Reuters) - Nach seinem für Ende Februar angekündigten Rückzug will sich Papst Benedikt XVI. weder in die Wahl seines Nachfolgers noch in die künftige Leitung der Kirche einmischen.

Der Papst wolle komplett beiseitetreten und keine Rolle bei der Führung der Kirche mehr spielen, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Dienstag. Benedikt werde wie angekündigt seine Zeit für Gebete und zur Besinnung nutzen. "Das ist absolut klar, und das ist der Sinn des Rücktritts", sagte Lombardi. Daher werde Benedikt auch nicht in irgendeiner Weise bei der Wahl seines Nachfolgers intervenieren. Die Kardinäle sollten bei ihrer Entscheidung im Konklave autonom bleiben.

Zudem gab Lombardi bekannt, dass der Papst seit einiger Zeit einen Herzschrittmacher trägt. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sei aber nicht in einem schlechten Gesundheitszustand. Bei einem kleinen Routineeingriff seien vor drei Monaten die Batterien des Gerätes ausgetauscht worden. Mit der Entscheidung des Papstes, sein Amt niederzulegen, habe dies nichts zu tun. Die Gründe lägen vielmehr in der Wahrnehmung des Papstes, dass mit fortschreitendem Alter seine Kräfte schwänden.

Benedikt hatte am Montag angekündigt, sein Amt am Abend des 28. Februar niederzulegen. Der 85-Jährige begründete seine Entscheidung mit nachlassenden Kräften wegen seines hohen Alters. Zur Wahl eines Nachfolgers wird danach das Konklave einberufen. Die Versammlung der Kardinäle soll noch vor Ostern einen neuen Pontifex wählen.

DEUTSCHE LAIEN SEHEN KEINEN FAVORITEN FÜR DIE NACHFOLGE

Nach Ansicht ranghoher deutscher Kirchenvertreter sollte der neue Papst deutlich jünger sein als der Amtsinhaber bei seiner Wahl im Jahr 2005. "Nicht älter als 70, würde ich sagen", sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Zudem müsse der Nachfolger "sicher ein Mann von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit sein". Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki gab zu bedenken, dass der neue Papst aber auch nicht zu jung sein sollte. Es sei "nicht verkehrt, wenn ein Papst im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70 ist". Andernfalls sei es eine lange Zeit, die er das schwere Amt ausüben müsse. Joseph Ratzinger war bei seiner Wahl zum Kirchenoberhaupt 78 Jahre alt.

Nach Einschätzung von Laienorganisationen wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zeichnet sich kein Favorit für die Nachfolge des aus Bayern stammenden Papstes ab. In vielen Regionen der Welt stünden Christen unter Druck und seien sogar gefährdet, sagte ZdK-Präsident Alois Glück im Deutschlandradio Kultur. Seine Erwartung an einen neuen Papst sei, dass "vielleicht die Vielfalt und Einheit (...) aufs Neue etwas gestaltet wird".

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" forderte, das Kirchen-System zu verändern. Deren Sprecher Christian Weisner sagte im RBB, der nächste Papst müsse einer werden, der "einen Blick in die Ferne hat, der nach Lateinamerika, nach Afrika blickt, aber genauso gut auch Europa versteht, aber vor allen Dingen einer, der (...) den Vatikan neu gestalten muss".

Der Tübinger Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass auf Benedikt ein Systemveränderer folgen wird. Das Konklave habe schon immer so entschieden, dass sich "niemand zu einem neuen Gorbatschow entwickeln" könne, sagte Küng dem Südwestrundfunk. Es sei "durchaus möglich", einen Papst aus Lateinamerika zu finden. Die Italiener seien allerdings durch Benedikt "wieder zu einer großen Macht im Kardinalskollegium geworden".

EUROPÄER STÄRKSTE GRUPPE IM WAHLGREMIUM

Der 71-jährige Mailänder Erzbischof Angelo Scola wird am häufigsten genannt für den Fall, dass sich das Konklave erneut für einen Europäer entscheidet. Allerdings könnte die Zeit reif sein für einen Pontifex aus Südamerika oder Afrika. In Südamerika leben 42 Prozent der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken. Im Konklave stellen aber die Europäer mit etwa der Hälfte der Kardinäle die bei weitem größte Gruppe in dem Wahlgremium.