Karsai kritisiert Nato für Tötung von Zivilisten

Mittwoch, 13. Februar 2013, 17:24 Uhr
 

Kunar (Reuters) - Bei einem Nato-Luftangriff im Osten Afghanistans sind am Mittwoch nach Angaben einheimischer Behörden zehn Zivilisten getötet worden.

Unter den Toten im Dorf Tschaugam in der Provinz Kunar seien fünf Kinder, sagte Gouverneur Faslullah Wahidi der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem seien fünf Zivilisten verwundet und vier Taliban-Kämpfer getötet worden. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte den Vorfall und kündigte eine Untersuchung durch die einheimischen Behörden an. Luftangriffe auf afghanische Dörfer seien nicht die Lösung im Kampf gegen den Terrorismus, kritisierte er. Die Nato-Truppe Isaf bestätigte den Angriff, nicht aber zivile Opfer. "Wir nehmen alle Vorwürfe zu zivilen Opfern ernst und untersuchen derzeit den Vorfall, um mehr Fakten zu bekommen", sagte ein Sprecher.

Sollte sich die Darstellung der Behörden bestätigen, dürfte dies die Spannungen zwischen Karsai und der Isaf erhöhen. Bereits im Oktober hatte der Präsident die ausländischen Truppen aufgefordert, in Pakistan nach den Unterstützern des Terrorismus zu suchen, statt den Krieg in afghanischen Dörfern auszutragen.

Die Isaf hat die Zahl ziviler Opfer nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren reduziert. Der Truppe zufolge gehen mittlerweile 84 Prozent der getöteten und verwundeten Zivilisten auf das Konto der Aufständischen.

Kurz zuvor hatte US-Präsident Barack Obama mitgeteilt, dass er bis Jahresende 34.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen will, etwa die Hälfte der US-Truppen dort. Bis Ende 2014 werde der Krieg für die USA beendet sein, kündigte Obama an. Die Truppen würden sich künftig auf die Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Armee und den Kampf gegen die Extremistenorganisation Al-Kaida konzentrieren. Wie viele US-Soldaten nach 2014 in Afghanistan stationiert bleiben sollen, ist unklar.

Die Abzugszahlen waren mit Spannung erwartet worden, da der amerikanische Truppenabbau auch Konsequenzen für den Einsatz der Bundeswehr und anderer Nationen am Hindukusch hat, die von der gewaltigen Militärmaschinerie der USA abhängig sind. Das Bundesverteidigungsministerium nannte die nun verkündeten Zahlen keine Überraschung, da Deutschland im Vorfeld konsultiert worden sei. Die Bundeswehr im Norden Afghanistans ist besonders von dem großen Kontingent an Transport- und Kampfhubschraubern abhängig, das die USA dort stationiert haben. Die Helikopter dienen auch dem Verwundetentransport und sollen offenbar in ausreichender Zahl vor Ort bleiben. "Die Fähigkeiten, die wir zur Erfüllung unseres Mandates brauchen, sind auch weiterhin vorhanden", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Obama und der afghanische Präsident Hamid Karsai hatten im Januar verabredet, dass die Afghanen rascher die Verantwortung für den Kampfeinsatz in ihrem Land übernehmen sollen. Momentan sind noch etwa 66.000 US-Soldaten am Hindukusch stationiert. Endgültig soll der Kampfeinsatz der internationalen Truppen Ende 2014 abgeschlossen sein. Auch danach sollen jedoch noch ausländische Soldaten im Land bleiben, ihre Aufgabe wird aber nur noch die Ausbildung und Beratung der afghanischen Sicherheitskräfte umfassen. Der Umfang dieser Nachfolge-Truppe ist noch nicht bekannt. Derzeit sind knapp 4300 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz.

 
NATO troops salute during a change of command ceremony in Kabul February 10, 2013. U.S. Marine General Joseph Dunford, expected to oversee the withdrawal of most foreign troops from Afghanistan by the end of next year, took control of the NATO-led mission on Sunday, in an elaborate ceremony which emphasised the country's sovereignty. REUTERS/Omar Sobhani (AFGHANISTAN - Tags: MILITARY POLITICS)