Ägypten flutet Schmuggler-Tunnel in den Gazastreifen

Mittwoch, 13. Februar 2013, 17:11 Uhr
 

Gaza (Reuters) - Ägyptische Soldaten haben mehrere Schmuggler-Tunnel in den angrenzenden Gazastreifen geflutet.

Das wurde sowohl von ägyptischer als auch palästinensischer Seite bestätigt. Das verzweigte Tunnel-Netz ist eine wichtige Lebensader für den von der radikal-islamischen Hamas regierten Gazastreifen. Rund ein Drittel aller Waren, die dorthin gelangen, werden über die Tunnel eingeführt - unter Umgehung der israelischen Kontrollen. Dazu gehören Benzin und Baumaterial, aber auch Waffen und Material zum Bombenbau. Israel hatte den Gazastreifen vor mehr als sieben Jahren aus Sicherheitsgründen abgeriegelt, weil aus dem Gebiet immer wieder israelische Dörfer und Städte beschossen werden.

"Die Ägypter lassen Wasser in die Tunnel laufen, um sie zu fluten", sagte Abu Ghassan, der auf palästinensischer Seite rund 200 Meter vom Grenzzaun entfernt Arbeiten am Tunnel beaufsichtigte. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters, dass die Flutung fünf Tage zuvor begonnen habe - just als sich zerstrittene Palästinenser-Gruppen in Kairo trafen, um sich einander anzunähern. "Wir nutzen Wasser aus einem Brunnen, um die Tunnel zu schließen", hieß es in den Sicherheitskreisen.

Seit August wurden bereits Dutzende Tunnel unpassierbar gemacht. Damals waren bei einem Grenzzwischenfall 16 ägyptische Soldaten getötet worden. Die Regierung in Kairo hatte erklärt, einige bewaffnete Palästinenser seien über solche Tunnel auf ägyptisches Gebiet eingedrungen. Die palästinensische Seite bestreitet das.

Die Zerstörung von Tunneln überraschte die Hamas, die sich von der islamistischen Regierung in Kairo unter dem im Juni 2012 gewählten Präsidenten Mohamed Mursi bessere Beziehungen erhofft hatte. Hamas-Vertreter kritisierten den Schritt zwar nicht öffentlich. Doch ein Tunnel-Besitzer redete Klartext: "Die Maßnahmen der Ägypter gegen die Tunnel haben sich seit der Wahl Mursis verschlechtert", sagte er. "Unsere Brüder von der Hamas dachten, er werde die Grenze zum Gazastreifen öffnen. Aber ich schätze, da haben sie sich geirrt." 150 bis 200 Tunnel seien seit August geschlossen worden, sagte der Mann. "Das fällt alles in die Mursi-Ära."

Seit 2007 kamen nach Schätzungen palästinensischer Menschenrechtsorganisationen mehr als 230 Menschen in den Tunneln ums Leben. Früher gab es 2500 bis 3000 Tunnel unter dem Wüstenboden. Doch ihre Zahl ist deutlich zurückgegangen, weil Israel 2010 einige Einfuhrbeschränkungen aufhob.

- von Nidal al-Mughrabi