Sprint-Star Pistorius des Mordes an Freundin beschuldigt

Donnerstag, 14. Februar 2013, 17:54 Uhr
 

Johannesburg (Reuters) - Der südafrikanische Paraolympics-Star Oscar Pistorius wird des Mordes an seiner Freundin beschuldigt.

Das Model Reeva Steenkamp wurde am Donnerstag erschossen im Haus des beidseitig beinamputierten Läufers aufgefunden, der durch seine Wettkampferfolge auf High-Tech-Prothesen zu einem der berühmtesten Sportler weltweit geworden ist. Die Polizei erklärte, nur der 26-Jährige und Steenkamp seien zur Zeit der Schüsse in dem Haus in Pretoria gewesen. Die 30-Jährige hatte wenige Stunden vor ihrem Tod auf Twitter angedeutet, mit ihrem Freund Valentinstag feiern zu wollen. Der auch auch unter dem Spitznamen "Blade Runner" bekannte Pistorius sollte laut Staatsanwaltschaft am Freitag vor Gericht erscheinen.

Pistorius' Anwalt sagte im südafrikanischen Fernsehen, seinem Mandanten gehe es gut, er sei aber sehr aufgewühlt. Weitere Einzelheiten nannte Kenny Oldwage auf SABC TV nicht. Pistorius wurde der Polizei zufolge am Donnerstag medizinisch untersucht. Wie üblich bei Mordverdacht gehe es um Kampfspuren und Alkoholwerte im Blut. Es gebe keine weiteren Verdächtigen. In Pistorius' Haus sei eine Pistole gefunden worden, teilte die Polizei weiter mit.

"Wir sind alle erschüttert", sagte Steenkamps Agentin Sarita Tomlinson. Die Familie des in Südafrika bekannten Models stehe unter Schock. Niemand wisse, was passiert sei. "Die beiden hatten eine gute Beziehung." Medienberichten zufolge waren Pistorius und die häufig in der Promi-Szene gesichtete Steenkamp seit einigen Monaten liiert. Erst am Wochenende äußerte sich Steenkamp in den Medien wohlwollend über ihren Freund.

Doch eine Polizeisprecherin erklärte, es habe zuvor in Pistorius' Haus "Vorfälle familiärer Natur" gegeben. Nun würden Zeugen zu den Vorkommnissen in den frühen Morgenstunden des Donnerstag vernommen. Es gebe Nachbarn und andere Leute, die Schüsse gehört hätten. Sie würden auch zu anderen Dingen befragt, die ihnen am Abend zuvor aufgefallen seien. Pistorius' Haus liegt in einer durch drei Meter hohe Mauern und Elektrozaun geschützten Luxus-Wohnsiedlung am Rande der Hauptstadt.

Bevor die Mordermittlungen bekanntwurden, hatte der Rundfunksender Talk Radio 702 gemeldet, Pistorius könnte seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt haben. Südafrika hat eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt, und viele Bewohner versuchen sich mit Waffen zu schützen - Medienberichten zufolge auch Pistorius. Er soll mehrere Waffen zu Hause gehabt haben: Baseball-Schläger hinter der Tür, eine Pistole neben seinem Bett und ein Maschinengewehr nahe eines Fensters, berichtete die "Daily Mail" 2012. Ein ihm nahestehender Läufer aus Südafrika sagte aber zu Reuters, Pistorius sei sehr ruhig und bescheiden und habe auf ihn nie gewalttätig gewirkt.

Der Paralympics-Star, der auch bei den Olympischen Spielen Erfolge feiern konnte, hat Werbeverträge unter anderem mit dem US-Sportartikelhersteller Nike. Insgesamt wird ihr Volumen auf zwei Millionen Dollar pro Jahr geschätzt. In Südafrika stoppte der Kabelsender M-Net am Donnerstag Werbesendungen, in denen Pistorius auftritt.

Als Baby waren Pistorius beide Beine unterhalb der Knie amputiert worden, weil ihm die Wadenbeine fehlten. Er läuft auf Karbon-Prothesen. Nach einer Reihe von Erfolgen bei den Paralympics war er 2012 in London der erste beidseitig Amputierte, der an den regulären Olympischen Spiele teilnahm. Dieser Triumph brachte ihm über die Grenzen von Südafrika hinweg Ruhm ein. Nach einer seiner seltenen Niederlagen hatte Pistorius im vergangenen Jahr bei den Paralympics Zweifel an den Prothesen des brasilianischen Siegers geäußert, kurz darauf aber sein Bedauern über diese Reaktion zum Ausdruck gebracht.

 
South Africa's Oscar Pistorius, an Olympics and Paralympics athlete, runs alongside a pure-bred Arabian race horse during the Doha GOALS (Gathering of all Leaders in Sport) forum at the Aspire Zone outdoor circuit in Doha December 12, 2012. REUTERS/Fadi Al-Assaad