Paralympics-Star Pistorius weist Mordvorwürfe zurück

Freitag, 15. Februar 2013, 17:21 Uhr
 

Johannesburg (Reuters) - Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius streitet die gegen ihn erhobenen Mordvorwürfe vehement ab.

Zudem ließ der Sportler am Freitag mitteilen, dass er der Familie seiner erschossenen Freundin sein tiefstes Mitgefühl sende. Die Staatsanwaltschaft wirft Pistorius vorsätzlichen Mord an dem Model Reeva Steenkamp vor. Bei der ersten gerichtlichen Anhörung war der 26-jährige Sportler zuvor in Tränen ausgebrochen: Mit gebeugtem Haupt stand er vor Haftrichter Desmond Nair und schlug schluchzend die Hände vor das Gesicht. "Beruhigen Sie sich, setzen Sie sich hin", sagte Nair. Medienberichten zufolge schoss der unterschenkelamputierte Sportler am Valentinstag viermal durch eine Badezimmer-Tür hindurch auf seine Freudin.

Pistorius, der durch seine Wettkampferfolge auf High-Tech-Prothesen berühmt wurde, sagte während der 40 Minuten dauernden Anhörung kein Wort. Sein Vater Henke und sein Bruder Carl nahmen hinter ihm im überfüllten Gerichtssaal Platz und beugten sich immer wieder vor, um ihm auf die Schulter zu klopfen. Pistorius' Anwalt Kenny Oldwage sagte, sein Mandant sei "extrem traumatisiert". Der Anwalt gab während der Anhörung keine Erklärung ab und forderte auch keine Freilassung auf Kaution. Pistorius bleibt damit vorerst in Untersuchungshaft.

Der auch unter dem Spitznamen "Blade Runner" bekannte Athlet verbrachte schon die Nacht in Polizeigewahrsam, nachdem ihn zuvor Ärzte untersucht und Kriminaltechniker Spuren gesichert hatten. Er wurde, in einen dunklen Anzug gekleidet, am Morgen zum Gericht gebracht. Dabei begleiteten ihn Familienmitglieder und Polizeibeamte. Schon im Vorfeld wurde die Anhörung um zwei Stunden verschoben, weil Pistorius' Anwalt Vorbehalte gegen den starken Andrang einheimischer und ausländischer Journalisten im Gerichtssaal anmeldete. Nun soll es am 19. Februar vor Gericht weitergehen.

POLIZEI BERICHTET VON "VORFÄLLEN FAMILIÄRER NATUR"

Die 30-jährige Steenkamp, Model und Partygirl, war am Donnerstag tot in Pistorius' Haus aufgefunden worden. Die Tageszeitung "Beeld" berichtete von vier Schusswunden im Kopf, in der Brust, im Becken und an der Hand. "Die Sicherheitskräfte fanden Pistorius bei Steenkamps Leiche im Badezimmer", sagte ein Nachbar der Zeitung. "Durch die Tür war einfach durchgeschossen worden." Zuerst hatte es noch geheißen, dass der Sportler seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und irrtümlich auf sie gefeuert haben könnte. Nach Angaben der Polizei hatten Nachbarn aber bereits Geräusche vor den Schüssen gehört. Zudem habe es vorher "Vorfälle familiärer Natur" gegeben. Pistorius' Haus liegt in einer durch drei Meter hohe Mauern und Elektrozaun geschützten Luxus-Wohnsiedlung am Rande der Hauptstadt Pretoria.

Für Südafrika ist der Fall des Superstars ein Schock. Pistorius wurde als "schnellster Mann auf keinen Beinen" gefeiert - als Held, der sich über Widrigkeiten hinwegsetzte, um gegen die schnellsten und körperlich fittesten Menschen auf sportlich höchstem Niveau anzutreten. Als Baby waren Pistorius beide Beine unterhalb der Knie amputiert worden, weil ihm die Wadenbeine fehlten.

Der gewaltsame Tod des Models bestimmte die Titelseiten der Tageszeitungen. "Der Goldjunge verliert an Glanz" titelte der "Sowetan" neben einem Bild von Pistorius, in dem er in einen grauen Trainingsanzug gekleidet von einer Polizeiwache abgeführt wird. "Wie ist es möglich, dass jemand von so weit oben so schnell und so tief fallen kann", sagte John Robbie, Moderator bei Talk Radio 702. Nachbarn bezeichneten Pistorius als lokalen Held. "Einige von uns haben geweint", sagte Precious, die an der Tankstelle arbeitet, an der Pistorius häufig seinen McLaren-Sportwagen aufgetankt hatte. "Er war so nett zu jedem."

Der Paralympics-Star, der auch bei den Olympischen Spielen in London Erfolge feiern konnte, hat Werbeverträge unter anderem mit dem US-Sportartikelhersteller Nike. Das Unternehmen will nach Abschluss der Ermittlungen über die Verträge entscheiden. In Südafrika stoppte der Kabelsender M-Net am Donnerstag Werbesendungen mit Pistorius. Seine Werbeeinnahmen werden jährlich auf zwei Millionen Dollar geschätzt.

 
South African 'Blade Runner' Oscar Pistorius (C) is escorted by police during his court appearance in Pretoria February 15, 2013. REUTERS/Siphiwe Sibeko