Afghanistan verzichtet auf Nato-Unterstützung aus der Luft

Sonntag, 17. Februar 2013, 16:27 Uhr
 

Kabul (Reuters) - Nach einem weiteren verheerenden Nato-Luftangriff will Afghanistan künftig auf weitere Unterstützung des Militärbündnisses aus der Luft verzichten.

Präsident Hamid Karsai kündigte am Wochenende, ab sofort dürften afghanische Streitkräfte keine Nato-Luftangriffe in Wohngebieten mehr anfordern. Karsai wollte noch am Sonntag entsprechendes Gesetz erlassen. Am Mittwoch waren zehn Zivilisten in der Provinz Kunar bei einem vom afghanischen Geheimdienst angefragten Nato-Angriff getötet worden.

Der neue Oberbefehlshaber der Nato-geführten Streitkräfte in Afghanistan, US-General Joseph Dunford, erklärte, er prüfe, wie Karsais Anweisung umgesetzt werden könne. Die Details würden in den nächsten Tagen ausgearbeitet, sagte Dunford. Noch am Sonntagabend wollte der US-General mit dem afghanischen Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi und Armeestabschef Scher Mohammad Karimi zusammentreffen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die ISAF die taktische Direktive vorgegeben, auf Luftangriffe auf Aufständische in Wohngebieten zu verzichten. Diese Anweisung erfolgte nach der Tötung von 18 Zivilisten in der Provinz Logar. Zivile Opfer sind einer der Hauptgründe für die Spannungen zwischen Karsai und der internationalen Gemeinschaft. Bis Ende kommenden Jahres wollen sich die meisten ausländischen Streitkräfte vom Hindukusch zurückgezogen haben.

Mit dem jüngsten Verbot von Nato-Luftangriffen steigt der Druck auf die 352.000 afghanischen Streitkräfte, selbst für Sicherheit zu sorgen. Bislang waren die Isaf-Soldaten vor allem im waldreichen Grenzgebiet zu Pakistan, in den Provinzen Kunar und Nuristan, aus der Luft aktiv.

 
U.S. Marine General Joseph Dunford (L) attends a change of command ceremony at the ISAF headquarters in Kabul February 10, 2013. REUTERS/Massoud Hossaini/Pool (AFGHANISTAN - Tags: MILITARY POLITICS)