Armeniens Präsident Sargsjan vor Wiederwahl

Montag, 18. Februar 2013, 14:43 Uhr
 

Eriwan (Reuters) - In Armenien ist Serdsch Sargsjan am Montag als Favorit in die Präsidentenwahl gegangen.

Umfragen sagten ihm einen Sieg von mehr als 60 Prozent der Stimmen im kleinen Kaukasus-Staat voraus. Wahlbeobachter begründeten dies damit, dass die ernstzunehmenden Oppositionsparteien keine Gegenkandidaten aufgestellt hätten. Zudem erwarteten Beobachter keinen fairen Wahlablauf. Überschattet wurde der Urnengang von einem Attentat auf einen Kandidaten Ende Januar, bei dem dieser verletzt wurde.

Sargsjans Anhänger hoffen auf eine friedliche Wahl, die der Welt zeigen würde, dass sich die frühere Sowjet-Republik nach unruhigen Jahren und Krieg auf einem Erholungspfad befindet. Bei dem Urnengang vor fünf Jahren wurden zehn Menschen bei Zusammenstößen getötet. Erste Ergebnisse werden nach der Schließung der Wahllokale um 17.00 Uhr (MEZ) erwartet.

Sargsjan gab seine Stimme in einem Wahllokal in der Hauptstadt Eriwan ab. "Ich habe für die Zukunft von Armenien gestimmt. Für die Sicherheit von Armenien, für die Sicherheit unserer Bürger", sagte der Amtsinhaber. "Sargsjan tritt für eine Verbesserung der Bildung ein, was eine Garantie für Armeniens Zukunft ist", sagte der Lehrer Artak Awetsjan, nachdem er seinen Stimmzettel eingeworfen hatte. Etwa ein Drittel der 3,2 Millionen Armenier lebt unter der Armutsgrenze, das durchschnittliche Monatsgehalt liegt bei rund 300 Dollar. 2012 lag die Arbeitslosenquote bei 16 Prozent.

Vertreter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE) hatten sich im Januar bei einem Besuch in Armenien kritisch über die Wahlvorbereitungen geäußert. Das Gremium beklagte auch, dass kein starker Rivale gegen Sargsjan antrat. Aus Angst um ihre eigene Glaubwürdigkeit hatten sich Oppositionsparteien dagegen entschieden, eigene Kandidaten zu nominieren.

Zudem ließ der Übergriff auf den Oppositionskandidaten Parujr Hajrikjan Angst vor Gewalt aufkommen. Hajrikjan, ein Außenseiter bei der Wahl, wurde bei einer Schießerei am 31. Januar an der Schulter verletzt. Der Oppositionelle Andrias Ghukasjan befindet sich seit Beginn des Wahlkampfes aus Protest gegen die Kandidatur Sargsjans im Hungerstreik.

Zwischen Armenien und dem Nachbarland Aserbaidschan schwelt immer noch ein Streit über die von beiden Seiten beanspruchte Region Nagorny Karabach. Die Spannungen in der Bergregion stellen immer noch eine Gefahr für den Frieden in der Region dar, durch die Öl- und Gas-Pipelines vom Kaspischen Meer nach Europa führen.