WHO: Typhus in Rebellen-Gebiet in Syrien ausgebrochen

Dienstag, 19. Februar 2013, 17:45 Uhr
 

Genf/Amman (Reuters) - In Syrien ist in einem von Rebellen gehaltenen Gebiet Typhus ausgebrochen.

In der nordöstlichen Provinz Deir al-Sor haben sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO 2500 Menschen angesteckt. Es gebe nicht genügend Treibstoff oder Elektrizität für die Wasserpumpen, daher tränken die Menschen Wasser aus dem Euphrat, sagte die WHO-Vertreterin in Syrien, Elisabeth Hoff, am Dienstag Reuters. Die Rebellen, die die Kontrolle hätten, müssten dringend etwas unternehmen. Typhus ist hochgradig ansteckend, verursacht Fieber und Durchfall und kann zum Tode führen.

In der Metropole Aleppo und in Idlib breitet sich nach WHO-Angaben zudem Hepatitis A aus. Auch in überfüllten Notunterkünften in Damaskus trete die Krankheit immer häufiger auf. "Das ist typisch, wenn die Wasserversorgung und das Abwassersystem zusammengebrochen sind", sagte Hoff. "In vielen Unterkünften in Damaskus müssen sich 50 bis 70 Menschen eine Toilette teilen."

MINDESTENS 20 TOTE BEI ARMEE-ANGRIFF IN ALEPPO

Wegen der Kämpfe zwischen den Soldaten von Präsident Baschar al-Assad und seinen Gegnern darben die Menschen. Der seit fast zwei Jahren dauernde Konflikt hat sich längst zum Bürgerkrieg ausgewachsen. Nach UN-Schätzungen wurden bislang bis zu 70.000 Syrer getötet. Bei einem Raketenangriff der Armee auf eine Rebellenhochburg in Aleppo kamen nach Oppositionsangaben mindestens 20 Menschen ums Leben, darunter Kinder. Die Opferzahl könne noch steigen, da 25 Menschen unter den Häusertrümmern vermisst würden.

UN-Ermittler werfen Assads Soldaten vor, systematisch Zivilisten anzugreifen und fordern eine Anklage der Kriegsverbrecher vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Aber auch Rebellen hätten sich Kriegsverbrechen, des Mordes und der Folter schuldig gemacht. Die russische Regierung, die Assad ihre Unterstützung nicht entzogen hat, nannte die Forderung nach einem Prozess vor dem ICC allerdings verfrüht und jetzt nicht zielführend. Weil Syrien das Abkommen zur Bildung des ICC nicht unterzeichnet hat, ist der einzige Weg für eine Anklage eine Überweisung des UN-Sicherheitsrates an den ICC. Dort hat Russland aber ein Veto-Recht, mit dem es dreimal UN-Resolutionen gegen Assad blockiert hat.