Britischer Kardinal gibt nach Vorwürfen auf

Montag, 25. Februar 2013, 17:55 Uhr
 

Vatikan-Stadt (Reuters) - Der ranghöchste Katholik in Großbritannien hat nach Vorwürfen des unangemessenen Verhaltens gegenüber Priestern sein Amt aufgegeben und wird nicht an dem Konklave zur Wahl des neuen Papstes teilnehmen.

Kardinal Keith O'Brien kündigte am Montag seinen Rücktritt an und verwies dabei auf seine Gesundheit. Britischen Medien zufolge sollen beim Vatikan gegen ihn Beschwerden von vier Priestern über "unangebrachte Handlungen" eingegangen sein. O'Brien hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der Papst selbst tritt am Donnerstag aus Gesundheitsgründen zurück. Er änderte das Kirchenrecht, damit das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers früher stattfinden kann.

Der Erzbischof von St. Andrews und Edinburgh erklärte, er habe bereits vor Monaten anlässlich seines 75. Geburtstags ein entsprechendes Gesuch bei Benedikt XVI. eingereicht. Er werde dem Konklave fernbleiben, da sich die Medien auf die Papstwahl und nicht ihn konzentrieren sollten. Auf die jüngsten Vorwürfe ging O'Brien nicht ein. Die Vorfälle sollen sich über einen Zeitraum von 30 Jahren erstrecken.

O'Brien ist für seine direkte Wortwahl und seinen Widerstand gegen die Homo-Ehe bekannt. Er behält nach seinem Rücktritt den Kardinalstitel, gibt seinen Erzbischofssitz in Schottland jedoch auf. Sein Verzicht auf die Teilnahme an dem Konklave bedeutet, dass Großbritannien jetzt bei der Wahl des neuen Papstes nicht vertreten sein wird.

Durch die Änderung des Kirchenrechts können die Kardinäle nun früher als bisher erlaubt mit dem Konklave beginnen, aus dem der neue Papst hervorgeht. Bislang musste 15 Tage nach der Freiwerdung des Papststuhles gewartet werden. Nun könnten die vorbereitenden Beratungen bereits am Freitag anfangen, einen Tag nach dem Abtritt Benedikts. Offenbar strebt der Vatikan an, den neuen Papst bis Mitte März zu wählen, damit dieser bereits in der Vor-Osterzeit amtiert.

Zudem gab der Vatikan bekannt, dass der Bericht über den sogenannten Vatileaks-Skandal nicht veröffentlicht wird. Nur der nächste Papst werde Einblick erhalten, hieß es. Der Kammerdiener von Benedikt hatte Dokumente kopiert und an Journalisten weitergegeben. Darin war von Korruption und Grabenkämpfen im Vatikan die Rede. Einige italienische Medien haben die Veröffentlichung des Untersuchungsberichts verlangt. Es gibt Medienspekulationen, dass Verschwörungen und mutmaßliche Sexskandale im Vatikan den Papst bei seiner Rücktrittsentscheidung beeinflusst haben könnten.

 
Archbishop of St Andrews and Edinburgh Keith O'Brien gives mass at St Mary's Cathedral in Edinburgh, September 29, 2003. REUTERS/Jeff J Mitchell