Wahlpatt in Italien birgt Sprengstoff für Spanien in Eurokrise

Donnerstag, 28. Februar 2013, 17:15 Uhr
 

London/Frankfurt (Reuters) - Mit der wieder aufflackernden Eurokrise rückt neben dem neuen Brandherd Italien auch Spanien wieder in den Fokus.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Umfrage sagen 44 von 55 befragten Ökonomen, das Wahlpatt in Rom und die damit verbundene Verunsicherung der Märkte mache ein Eingreifen der EZB in der Eurokrise wahrscheinlicher. Diese hat zur Rettung der Gemeinschaftswährung angekündigt, Staatsanleihen von unter den Rettungsschirm schlüpfenden Staaten aufzukaufen. 22 Ökonomen erwarten, dass das von Schulden- und Konjunktursorgen geplagte Spanien noch dieses Jahr Hilfe beantragen wird.

"Das Ansteckungsrisiko als Folge der Unsicherheit und der Schwankungsanfälligkeit der Märkte sowie erhöhte Risikoaufschläge machen es wahrscheinlicher, dass Spanien das EZB-Programm aktiviert", meint Ökonom Azad Zangana vom Vermögensverwalter Schroders. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte entsprechende Spekulationen diese Woche zu dämpfen versucht. Sein Land sei nach den Wahlen in Italien dem Rettungsschirm nicht näher gerückt als vorher. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS erwarten jedoch, dass es im zweiten Halbjahr soweit sein wird und Spanien doch Hilfe beantragt.

AUCH ITALIEN GILT ALS ANWÄRTER AUF HILFEN

Immerhin 18 von Reuters befragte Ökonomen rechnen damit, dass Italien 2013 das EZB-Ankaufprogramm aktivieren wird. EZB-Chef Mario Draghi machte jüngst bei einem Auftritt in München jedoch klar, dass die EZB sich nicht von der Politik einspannen lassen will und die Parteien in Rom am Zug sind, eine stabile und reformfähige Regierung zu bilden: "Wir handeln nicht, um Regierungen zu helfen, sondern um den Kreditfluss an Firmen und Haushalte zu sichern. Regierungen müssen die jeweiligen strukturellen Wirtschaftsprobleme angehen."

Der angehende Chef des Mannheimer ZEW-Instituts, Clemens Fuest, sieht den Fall Italien als "Achilles-Ferse" des Draghi-Plans zur Rettung des Euro. Denn der hat die Staatsanleihenkäufe bekanntlich an die Bedingung geknüpft, dass ein Land zuvor beim Rettungsfonds ESM anklopfen muss und sich damit automatisch Reformauflagen unterwirft. Dieses als "Sicherheitsnetz" für den Euro gedachte Modell stoße aber an seine Grenzen, wenn sich ein Eurozonen-Schwergewicht wie Italien einer harten Reformkur verweigere. Die EZB hätte bei einer Verschärfung der Krise dann nur noch zwei Möglichkeiten: entweder abwarten, bis Italien unter dem Druck des Marktes doch auf einen Reformkurs einschwenkt. Oder: "Wenn alle Stricke reißen, muss sie doch am Markt intervenieren und damit in Kauf nehmen, dass die italienische Regierung das Ganze einfach aussitzt", mahnt Fuest, der am Freitag den Chefposten beim ZEW übernimmt.

 
Spain's Prime Minister Mariano Rajoy addresses a news conference after a European Union leaders summit in Brussels December 14, 2012. European leaders agreed on Friday to press on with further steps to tackle their debt crisis but German Chancellor Angela Merkel threw out a proposal to boost risk-sharing with a fund to help euro zone states in trouble. REUTERS/Yves Herman (BELGIUM - Tags: POLITICS BUSINESS) - RTR3BKCF