Nach Taifun auf Philippinen wächst Angst vor Seuchen

Donnerstag, 14. November 2013, 17:10 Uhr
 

Tacloban (Reuters) - Knapp eine Woche nach dem Taifun Haiyan wächst auf den Philippinen die Angst vor dem Ausbruch von Seuchen.

"Es liegen immer noch Leichen auf den Straßen", sagte der Bürgermeister der fast zerstörten Stadt Tacloban, Alfred Romualdez, am Donnerstag. "Es ist beängstigend." Die Behörden sehen sich überfordert: Lastwagen, mit denen sich die Toten bergen ließen, fehlen ebenso wie Benzin. Ein Hoffnungsschimmer war die Ankunft des amerikanischen Flugzeugträgers "USS George Washington" und weiterer Marineschiffe in der Katastrophenregion.

"Man hat die Wahl, ob man ein und denselben Laster entweder zum Verteilen von Essen oder zum Einsammeln von Leichen nutzt", sagte Taclobans Bürgermeister Romualdez. Außerhalb der Stadt begannen die Behörden damit, etwa 300 Menschen in einem Massengrab beizusetzen. Eine zusätzlich Grube für weitere 1000 Tote sollte zudem ausgehoben werden.

Gleichzeitig warteten immer noch Tausende Menschen vor allem auf Lebensmittel und Trinkwasser. Unzählige Familien sind durch den Sturm, der am Freitag mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde über den Inselstaat im Pazifik hinweggepeitscht war und eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte, obdachlos geworden. Sie müssen seit Tagen in Hitze und Wolkenbrüchen ausharren. Nach einer Schätzung des UN-Kinderhilfswerkes Unicef gibt es rund 600.000 Obdachlose. Über 100.000 von ihnen seien Kleinkinder unter fünf Jahren.

Aus Verzweiflung griffen viele zur Selbsthilfe: Getreidespeicher wurden geplündert, Wasserleitungen angezapft und Geschäfte leergeräumt. Auch zu Gewalttaten soll es gekommen sein. In einigen Gebieten herrscht offensichtlich Anarchie.

JAPAN SCHICKT 1000 SOLDATEN

Auch die Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen kämpfen gegen widrige Bedingungen vor Ort. Weil ihre Lastwagen nicht betankt werden können, stapeln sich am Flughafen von Tacloban Hilfsgüter. Viele Gebiete waren auch am Donnerstag abgeschnitten.

Vor der Insel Samar in der Nähe von Tacloban traf die "George Washington" ein, die eilig vom knapp 2000 Kilometer entfernten Hongkong in die Region abkommandiert wurde. Teil des Verbandes sind vier weitere Schiffe, die zusammen mit dem Flugzeugträger über 21 Hubschrauber verfügen. Damit würden Hilfsgüter transportiert, erklärte die Marine. Die Philippinen waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine amerikanische Kolonie und haben noch immer ein enges Verhältnis zu den USA.

Auch die japanischen Streitkräfte bereiteten sich auf einen Einsatz in der Region vor. Verteidigungsminister Itsunori Onodera kündigte an, dass bis zu 1000 Soldaten in dem Land helfen würden. Schiffe und Flugzeuge sollen entsandt werden. Deutschland unterstützt die Philippinen unter anderem mit Experten des Technischen Hilfswerkes, die etwa bei der Trinkwasserversorgung helfen. Ihre Soforthilfe stockte die Bundesrepublik auf 4,5 Millionen Euro auf. Großbritannien kündigte an, den Flugzeugträger "HMS Illustrious" zur Unterstützung der Helfer zu entsenden.   Fortsetzung...

 
Children play as they pass debris and damaged houses after super typhoon Haiyan battered Tacloban City, in central Philippines November 13, 2013. Philippine officials have been overwhelmed by Haiyan, one of the strongest typhoons on record, which tore through the central Philippines on Friday and flattened Tacloban, coastal capital of Leyte province where officials had feared 10,000 people died, many drowning in a tsunami-like wall of seawater. REUTERS/Edgar Su