Nato: Beteiligen uns nicht an Angriffen in Pakistan

Donnerstag, 11. September 2008, 19:47 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die Nato will sich nicht an Angriffen auf Taliban- und Al-Kaida-Extremisten beteiligen, die in Pakistan Unterschlupf gefunden haben.

"Die Nato-Politik, so lautet unser Mandat, endet an der Grenze", sagte Sprecher James Appathurai am Donnerstag in Brüssel. Es werde keine Vorstöße des Bündnisses auf pakistanisches Territorium geben. "Lassen Sie mich unterstreichen, es wird nicht die Nato sein, die ihre Soldaten über die Grenze schickt."

Appathurai reagierte mit seinen Äußerungen auf den von US-Generalstabschef Mike Mullen angekündigten Strategiewechsel in Afghanistan. Der Admiral hatte am Mittwoch eine Kursänderung mit dem Ziel vorgeschlagen, Zufluchtorte von Extremisten in Pakistan anzugreifen. Notwendig sei eine "neue, umfassendere Strategie", die beide Seiten der afghanisch-pakistanischen Grenze umfasse. Es bestehe die Gefahr, dass der Westen sonst den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen könne.

US-Kommandoeinheiten hatten vorige Woche einen Vorstoß in Pakistan unternommen und dabei 20 Menschen getötet. Zudem flog die Luftwaffe Angriffe mit unbemannten Flugzeugen auf Dörfer. Pakistan, das ein Verbündeter der USA im Anti-Terror-Kampf ist, hat das Vorgehen scharf kritisiert.

Mullen hatte vor dem Repräsentantenhaus auch vorgeschlagen, die neue Strategie mit einer Stärkung der zivilen Strukturen in Afghanistan zu verbinden, weil ein Sieg mit ausschließlich militärischen Mitteln nicht zu erreichen sei. Präsident Hamid Karsai begrüßte die Absichten des Generalstabschefs und forderte eine größere Verantwortung für seine Regierung. "Eine Strategiewechsel ist notwendig", sagte Karsai in Kabul und plädierte für gemeinsame Angriffe auf Stellungen der Extremisten.

Insgesamt sind in Afghanistan 71.000 ausländische Soldaten, darunter mehr als 3200 Bundeswehr-Angehörige, im Einsatz. Die 2001 von den internationalen Truppen von der Macht vertriebenen Taliban haben seit drei Jahren ihre Aktivitäten wieder verstärkt.