Gewalt bei Wahl in Mazedonien - Mindestens ein Toter

Montag, 2. Juni 2008, 07:05 Uhr
 

Skopje (Reuters) - Bei der Parlamentswahl in dem in die EU strebenden Balkanstaat Mazedonien ist es am Sonntag zu gewaltsamen Zwischenfällen mit mindestens einem Toten gekommen.

In mehreren überwiegend von Albanern bewohnten Gegenden im Norden des Landes wurden zudem neun Menschen verletzt. Nahe der Hauptstadt Skopje wurde nach einer Schießerei die Stimmabgabe unterbrochen. Die Wahlkommission erklärte, es sei in zahlreichen Fällen zu Unregelmäßigkeiten und möglicherweise auch zu Betrug gekommen. Es waren die schlimmsten Gewaltausbrüche seit 2001, als das Land kurz vor einem Bürgerkrieg stand. Die Partei VMRO-DPMNE von Ministerpräsident Nikola Gruevski erklärte am Abend, nach Auszählung von 38 Prozent der Stimmen zeichne sich ab, dass die Partei 63 der 120 Parlamentssitze erhalten werde.

Die Parlamentswahl, zu der knapp 1,8 Millionen Wähler aufgerufen waren, galt als politischer Reifetest für den früheren jugoslawischen Balkanstaat, der in die Europäische Union und die Nato strebt.

Die Wahlkommission erklärte, es gebe Meldungen über beschädigten und vermisste Wahlurnen sowie gestohlene Wahlunterlagen. Der Chef des Wahlbeobachterteams des Europarates, Serhiy Holovaty, sagte Reuters, er habe beim Besuch einiger Wahllokale Unregelmäßigkeiten und Möglichkeiten für Manipulationen zur Kenntnis genommen. Regierungschef Gruevski, dessen nationalkonservative VMRO-DPMNE als Favorit galt, nannte die Lage indes insgesamt stabil. Es habe nur einige wenige Vorfälle in von Albanern bewohnten Gebieten gegeben. Dort würden die Wahlen in zwei Wochen wiederholt werden.

Polizeiangaben zufolge kam es bei der Verfolgung einer Gruppe Bewaffneter in der Stadt Aracinovo zu einem Feuergefecht. Dabei sei einer der Bewaffneten getötet und zwei weitere verletzt worden. Ein Lokalpolitiker berichtete dagegen, die Polizisten hätten das Feuer eröffnet. Vor der Stadt bezogen ein Dutzend Polizeiwagen Stellung, darunter auch Schützenpanzer. In einem überwiegend von Albanern bewohnten Viertel der Hauptstadt Skopje wurden nach Angaben von Polizei und Parteivertretern bei einer Schießerei sechs Menschen verletzt. Einer von ihnen, ein Parteifunktionär, schwebe in Lebensgefahr. Regierungskreisen zufolge nahm die Polizei im Zusammenhang mit der Gewalt den ehemaligen Anführer einer albanischen Guerilla-Gruppe fest.

Der Parteichef der DUI-Partei, Ali Ahmeti, machte die rivalisierende DPA-Partei und die Polizei für die Gewalt verantwortlich. DUI und DPA kämpfen erbittert um die Stimmen der albanischen Minderheit, die 25 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien ist gestört, seit die DPA 2006 in die Koalitionsregierung einzog, obwohl die DIU die Mehrheit der albanischen Stimmen bekommen hatte.