Obama trifft in Bagdad irakischen Ministerpräsidenten

Dienstag, 22. Juli 2008, 08:52 Uhr
 

Bagdad (Reuters) - Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama ist am Montag im Rahmen seiner Nahost- und Europareise mit Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki sowie US-Kommandeuren zusammengekommen.

Der Senator war mit Kollegen in Bagdad eingetroffen. Obama hat angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs im November die US-Kampftruppen innerhalb von 16 Monaten aus dem Irak abzuziehen. Er hatte zuvor in Afghanistan US-Soldaten besucht und will am Donnerstag in Berlin eine Rede halten.

Obama erklärte nach der Begegnung mit Maliki, das Gespräch sei sehr konstruktiv gewesen. Ein irakischer Regierungssprecher sagte, über Obamas Abzugsplan sei nicht geredet worden, weil der Senator kein Regierungsamt habe. Der Irak habe aber zum Ziel, dass die US-Kampftruppen Ende 2010 abziehen sollten, wenn die Sicherheitslage dies erlaube.

Aus Sicherheitsgründen waren die Termine Obamas bis zuletzt geheimgehalten worden. Pressekonferenzen sind während seines Irak-Aufenthaltes nicht vorgesehen.

Fernsehbilder zeigten Obama mit US-Soldaten im südirakischen Basra. Bei Treffen mit Kommandeuren dürften sie Obama ihre Einschätzung übermitteln, dass der jüngste Zugewinn an Sicherheit brüchig ist und durch einen überhasteten Rückzug der 140.000 US-Soldaten gefährdet werden könnte. Obama hat eine "Verfeinerung" seines Abzugsplans angekündigt, bestreitet aber, damit einen Kurswechsel in der Irak-Politik eingeläutet zu haben. Er beabsichtige, "diesen Krieg zu beenden".

Maliki hatte unlängst einen Zeitrahmen für den Abzug der US-Truppen ins Gespräch gebracht, was Obama begrüßte. Am Sonntag widersprach Iraks Regierung vom "Spiegel" veröffentlichten Interview-Äußerungen Malikis, er unterstütze Obamas 16-Monats-Plan. Das deutsche Nachrichtenmagazin habe Maliki falsch übersetzt. Der "Spiegel" blieb bei seiner Darstellung.

Der Irak ist nach Afghanistan Obamas zweite große Station auf der Mehrländer-Reise, mit der er im Wahlkampf sein außenpolitisches Profil schärfen will. Gerade auf diesem Feld beansprucht sein Rivale John McCain mehr Kompetenzen. Beim Auftakt der Reise am Wochenende in Afghanistan sprach sich der 46-jährige Obama für eine Verstärkung der US-Truppen in dem Land aus, da er die Lage dort als prekär und akut ansieht. Die USA sollten mit Planungen für eine Verlegung von US-Soldaten aus dem Irak nach Afghanistan beginnen.