Papst warnt Jugend vor geistiger Leere durch Konsum
Sydney (Reuters) - Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss des Weltjugendtags in Sydney vor einer geistigen Leere infolge von materiellem Wohlstand gewarnt.
Vor rund 400.000 Gläubigen prangerte der Papst am Sonntag in einer eher traditionellen Botschaft eine "falsch verstandene Freiheit" in der Welt an und rief die Jugendlichen dazu auf, sich auf die christlichen Grundwerte zurückzubesinnen. Zuvor hatte er sich erstmals direkt für die sexuelle Misshandlung von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester entschuldigt.
"In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich mit dem materiellen Wohlstand eine geistige Wüste aus, eine innere Leere, eine ungenannte Furcht, eine stille Hoffnungslosigkeit", klagte das Kirchenoberhaupt. Benedikt forderte die Jugendlichen auf, stolz und offen zu ihrem Glauben zu stehen. Der Glaube an Christus helfe einem dabei, sein Leben auf einem festen Fundament aufzubauen, sagte der Papst auf dem Gelände einer Pferderennbahn. Rund 200.000 Jugendliche hatten auf dem Gelände campiert, die Temperatur fiel dabei auf acht Grad. Am Morgen war das Kirchenoberhaupt zunächst mit einem Hubschrauber über die Menge geflogen.
Der Weltjugendtag wurde jedoch teilweise durch den Skandal um sexuellen Missbrauch überschattet. In einigen seiner bislang direktesten Äußerungen zu den Missbrauchsfällen in mehreren Ländern sagte der Papst in einer Predigt am Samstag, er bedauere den Schmerz und das Leid zutiefst, den die Opfer durchlitten hätten. Er forderte gerechte Strafen für die Täter. Die beschämenden Vergehen stellten einen schweren Vertrauensbruch dar und hätten das Ansehen der katholischen Kirche beschädigt.
Opferverbänden reichten die Worte des deutschen Papstes aber nicht aus. "Eine Entschuldigung ist nicht genug. Opfer wollen Taten, keine Worte", erklärte etwa die Gruppe "Broken Rites" im Anschluss an die Predigt. Die australische Kirche versuche nach wie vor, Missbrauchsfälle zu vertuschen. Nach Angaben eines Vatikan-Sprechers wird sich Benedikt vor seiner Abreise am Montag möglicherweise noch mit Opfern der Vergehen treffen, wie er dies bereits bei seiner US-Reise getan hatte.
Papst Benedikt kündigte an, dass der nächste Weltjugendtag 2011 in Madrid stattfinden wird. Der 81-Jährige äußerte die Hoffnung, auch dort anwesend zu sein. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend forderte, dass Weltjugendtage in Zukunft auch politische Akzente setzen. So müsse etwa bereits im Vorfeld auf Müllvermeidung, klimaneutrale Ausrichtung und auf den Einsatz fair gehandelter Produkte geachtet werden. Papst Benedikt hatte am Freitag zum Erhalt der Umwelt aufgerufen und die Verschwendung von Ressourcen zur Befriedigung eines "unersättlichen Konsumismus" angeprangert.
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