Obama zum Auftakt seiner Auslandsreise bei Karsai

Sonntag, 20. Juli 2008, 15:28 Uhr
 

Kabul (Reuters) - Wenige Tage vor seinem Berlin-Besuch hat sich US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama zum Auftakt seiner Auslandsreise ein Bild der Lage in Afghanistan verschafft.

Zusammen mit seinen beiden Senatskollegen Jack Reid und Chuck Hagel traf der Senator aus Illinois am Sonntag mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zusammen. In dem Gespräch ging es nach Angaben der Regierung in Kabul vor allem über die Sicherheitslage in dem Land und der Region sowie den weltweiten Kampf gegen den Terrorismus und Drogen. Auch der Ausbau der bilateralen Beziehungen beider Länder sei ein Thema des Treffens gewesen.

Am Samstag traf Obama auf dem nahe Kabul gelegenen Stützpunkt Bagram bereits mit US-General Jeffrey Schloesser zusammen, der das Kommando über die Nato-geführten Truppen im Osten des Landes sowie sämtliche US-geführte Koalitionstruppen in Afghanistan hat. Bei einem Frühstück informierte er sich zudem über die Sorgen und Bedürfnisse der US-Soldaten. Obama selbst hatte unmittelbar vor seinem Abflug angekündigt, er wolle sich bei den Soldaten für deren "heldenhafte Arbeit bedanken".

Obama hatte Afghanistan in den vergangenen Wochen immer wieder zum Thema gemacht. Der Regierung von Präsident George W. Bush warf er vor, sie lasse dem dortigen Einsatz im Vergleich zu jenem im Irak nicht ausreichend Aufmerksamkeit zukommen. An der afghanischen Regierung kritisierte er eine mangelnde Eigeninitiative zur Bekämpfung der dringendsten Probleme des Landes wie etwa den Drogenanbau oder der Korruption. Im Falle seines Wahlsiegs im November plant er, 7000 weitere Soldaten in die Region zu schicken.

Der designierte Kandidat der Demokraten will mit der Reise sein außenpolitisches Profil schärfen. Sein republikanischer Rivale John McCain beansprucht auf diesem Feld erheblich mehr Erfahrung. In seiner wöchentlichen Radio-Ansprache nahm der 25 Jahre ältere Vietnam-Veteran denn auch Obamas Auslandsreise ins Visier. Er kritisierte den 46-Jährigen dafür, die Afghanistan-Pläne noch vor dem Abflug dargelegt zu haben. "Offensichtlich ist er selbstsicher genug, dass er keine Fakten finden wird, die seine Meinung oder seine Strategie ändern könnten - bemerkenswert", sagte der Senator aus Arizona am Samstag. Auch er wolle zusätzliche Truppen in die Region entsenden, mache dies aber von der Verfügbarkeit und Gesprächen mit der Nato abhängig.

Im Verlauf seiner Auslandsreise wird Obama auch im Irak erwartet. Aus Bagdad erhielt er bereits Rückendeckung für seine Vorstellungen, was den Abzug der amerikanischen Truppen angeht. Ministerpräsident Nuri al-Maliki begrüßte den Zeitplan des 46-Jährigen. "Der US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama spricht von 16 Monaten. Das, finden wir, wäre der richtige Zeitraum für den Abzug, geringe Abweichungen vorbehalten", sagte Maliki laut einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

 
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