Chavez löst im Streit mit USA regionale Krise aus

Freitag, 12. September 2008, 17:29 Uhr
 

Caracas/Washington (Reuters) - Der Dauerstreit Venezuelas mit den USA ist zu einer regionalen Krise eskaliert.

Die USA kündigten am Freitag Sanktionen an und erklärten den venezolanischen Botschafter zur unerwünschten Person. "Wir wollen ihn rausschmeißen", sagte ein Vertreter der US-Regierung.

Der Schritt war eine Vergeltung für die Ausweisung des US-Vertreters aus Venezuela. Der sozialistische Präsident Hugo Chavez bezeichnete die Entscheidung als Akt der Solidarität mit seinem bolivianischen Kollegen Evo Morales, der ebenfalls den US-Botschafter des Landes verwiesen hatte. Die USA froren zudem die Vermögenswerte zweier venezolanischer Regierungsvertreter ein, denen sie Kontakte zur kolumbianischen Guerilla-Bewegung Farc vorwarfen.

Chavez gab dem US-Botschafter 72 Stunden Zeit, das lateinamerikanische Land zu verlassen. "Fahrt zur Hölle, ihr dreckigen Yankees, wir sind ein würdevolles Volk, fahrt hundertmal zur Hölle", rief er Tausenden jubelnden und rot gekleideten Anhängern zu. Erst nach dem Abtritt von US-Präsident George W. Bush im Januar werde er wieder einen Botschafter nach Washington schicken. Die USA stünden hinter einer Verschwörung früherer Offiziere, die ihn töten wollten.

Chavez drohte erneut, den USA den Ölhahn zuzudrehen. "Bei einer Aggression gegen Venezuela gibt es für das Volk oder die Regierung der Vereinigten Staaten kein Öl mehr", warnte der frühere Fallschirmjäger. Die USA sind trotz des Konflikts mit Chavez wichtigster Kunde Venezuelas, das mit die größten Ölreserven außerhalb des Nahen Ostens besitzt.

Der mit Chavez verbündete bolivianische Präsident Morales hatte den USA vorgeworfen, hinter gewaltsamen Protesten zu stecken, und damit die Ausweisung des Botschafters begründet. Bei den Unruhen in dem Andenstaat kamen acht Menschen zu Tode. Die USA haben die Vorwürfe aus den beiden Staaten zurückgewiesen und auch den bolivianischen Botschafter in Washington zur unerwünschten Person erklärt.

Chavez drohte zudem damit, Morales im Fall eines Putsches mit der Unterstützung "bewaffneter Bewegungen" zu Hilfe zu eilen. Der venezolanische Präsident setzt im Streit mit den USA zunehmend auch auf die russische Karte. So gestattete er in dieser Woche zwei strategischen Bombern aus Russland die Landung. Zum Jahresende ist ein gemeinsames Manöver mit russischen Kriegsschiffen geplant.