Hamas hält an Angebot für Waffenruhe fest
Jerusalem (Reuters) - Ungeachtet der Absage Israels will die radikal-islamische Hamas vorerst am Angebot einer Waffenruhe für den Gazastreifen festhalten.
Eine klare Antwort der israelischen Regierung stehe noch aus, sagte Samir Abu Suhri aus der Hamas-Führung am Freitag. "Wir sind für alle politischen und militärischen Möglichkeiten offen, um die Blockade zu beenden."
Ägyptens Geheimdienstchef Omar Suleiman will den Vorschlag nach palästinensischen Angaben in der kommenden Woche zunächst anderen Extremisten-Gruppen aus dem Gazastreifen vorlegen, um eine gemeinsame Haltung auf palästinensischer Seite zu erreichen. Dafür seien Vertreter der Fraktionen am Dienstag und Mittwoch in Kairo, sagte der frühere Hamas-Außenminister Mahmud Sahar. Anschließend werde Suleiman Kontakt zu Israel aufnehmen, sich um dessen Zusage bemühen und einen Termin für den Beginn der vorgeschlagenen halbjährigen Waffenruhe vereinbaren.
Die israelische Regierung lehnte den Plan in ersten Reaktionen ab. Ein Sprecher von Ministerpräsident Ehud Olmert bekräftigte den Standpunkt, israelische Verteidigungsmaßnahmen im Gazastreifen seien nicht nötig, wenn die Hamas auf ihre Angriffe verzichte. "Israel wird seine Bürger weiterhin schützen." Zudem warf er der Hamas vor, auf Zeit zu spielen und die Waffenruhe für eine Aufrüstung zu nutzen.
Die Hamas sei nicht vertrauenswürdig, sagte Israels UN-Botschafter Dan Gillerman in New York. "Sie bieten immer dann eine Waffenruhe an, wenn es uns gelungen ist, sie da zu treffen, wo es richtig wehtut. Dann brauchen sie Zeit, um sich neu zu gruppieren und zu bewaffnen und sich auf die nächste Runde vorzubereiten." Israel hält seit mehr als einem halben Jahr eine Blockade des Gazastreifens aufrecht, um die Extremisten zu einem Ende des Raketenbeschusses südisraelischer Städte zu zwingen.
Aus Angst vor einem Grenzdurchbruch von Palästinensern schickte Ägypten hunderte Polizisten an die Grenze zum Gazastreifen. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sollen sie verhindern, dass sich Bewohner des Küstenstreifens nach dem Freitagsgebet erneut gewaltsam den Weg über den von Israel geschlossenen Übergang Rafah bahnen. Im Januar hatten Extremisten die Grenzbefestigungen bei Rafah gesprengt, hunderttausende Palästinenser strömten daraufhin nach Ägypten, um sich mit Lebensmitteln und Treibstoff einzudecken. Nach eineinhalb Wochen wurde die Grenze wieder abgeriegelt.
Die Gruppe Islamischer Dschihad feuerte am Freitag vom Gazastreifen aus vier Raketen nach Israel ab. Zudem tötete ein palästinensischer Extremist nahe der Grenze des Westjordanlands zwei israelische Sicherheitsleute. Zu dem Angriff bekannten sich Hamas und Islamischer Dschihad.
© Thomson Reuters 2008 Alle Rechte vorbehalten.


