IAEA wirft Iran mangelnde Kooperation im Atomstreit vor

Montag, 15. September 2008, 18:39 Uhr
 

Wien/Berlin (Reuters) - Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) sieht sich weiterhin außerstande, Vorwürfe eines geheimen iranischen Atomwaffenprogramms auszuräumen.

Wegen mangelnder Kooperation der iranischen Behörden sei die Prüfung entsprechender Geheimdiensterkenntnisse zum Stillstand gekommen, heißt es in einem am Montag vorgelegten vertraulichen Bericht der UN-Atomkontrolleure. Der Iran baue zudem seine Urananreicherung weiter aus, sei aber noch weit davon entfernt, genug von dem Spaltmaterial für den Bau einer Atombombe zu produzieren. Die Bundesregierung und die USA drohten der Regierung in Teheran mit der Ausweitung der UN-Sanktionen.

Die IAEA hatte dem Iran schon in ihrem vorangegangenen Bericht vorgeworfen, wesentliche Informationen zurückzuhalten. Dabei ging es um Geheimdiensterkenntnisse, der Iran habe Projekte zur Uranverarbeitung, Tests mit hochexplosiven Materialien und verdächtige Arbeiten zur Modifikation von Raketensprengköpfen verknüpft.

"Die IAEA ist leider nicht in der Lage gewesen, wesentliche Fortschritte in der Frage der mutmaßlichen Studien und wichtiger anderer damit zusammenhängender Punkte zu erzielen, die weiterhin ernsthaften Anlass zur Sorge geben", heißt es dazu in dem neuen Bericht. Die IAEA-Inspektoren hätten ihren iranischen Gesprächspartnern deutlich gemacht, dass die Vorwürfe zu detailliert und konsistent seien, um sie einfach beiseite zu wischen. Wenn die Islamische Republik keine Transparenz schaffe, werde die IAEA nicht glaubwürdig erklären können, dass es im Iran keine geheimen Atommaterialien und -programme gebe. Der Iran machte seinerseits die IAEA für den Stillstand der Untersuchungen verantwortlich und warf ihr vor, auf Druck westlicher Regierungen nicht sachorientiert zu arbeiten.

Dem Bericht zufolge hat der Iran die Zahl seiner Zentrifugen zur Urananreicherung von 3300 im Mai auf mittlerweile 3820 erhöht. An der Installation weiterer 2000 werde gearbeitet. Das Land habe mittlerweile 480 Kilogramm niedrig angereichertes Uran angehäuft. Für den Bau einer Atombombe wären 1700 Kilogramm nötig, die dann hoch angereichert werden müssten, sagten UN-Vertreter. Auch seine Tests mit Zentrifugen modernerer Bauart setze der Iran entgegen den Forderungen des UN-Sicherheitsrats fort, hieß es in dem IAEA-Bericht weiter.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bekräftigte das Anreizpaket der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands für den Fall eines iranischen Einlenkens. "Unser Angebot liegt auf dem Tisch, wir hoffen nach wie vor, dass der Iran eine konstruktive Antwort darauf finden wird", sagte Steinmeiers Sprecher wenige Stunden vor einem Treffen des Ministers mit seinem iranischen Kollegen Manuchehr Mottaki. Genauso ernst sei aber auch die Option gemeint, im UN-Sicherheitsrat Sanktionen anzustreben. Auch ein Sprecher der US-Regierung sagte, falls der Iran die Urananreicherung nicht aussetze, drohten ihm neue Strafmaßnahmen.