Kritik an G8 trotz Durchbruchs beim Klimaschutz
Toyako (Reuters) - Die G8-Staaten haben sich auf ihrem Gipfel in Japan überraschend auf eine Halbierung des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes bis 2050 geeinigt.
George W. Bush gab auf seinem letzten Gipfel als US-Präsident seine Blockadehaltung auf und machte damit den Weg frei für eine langfristig ausgerichtete, konkrete Vereinbarung. Wichtigen Schwellenländern wie China und Indien ging der Beschluss aber nicht weit genug. Auch der WWF und Greenpeace äußerten sich enttäuscht.
Die sieben führenden Industriestaaten und Russland betonten in ihrer Erklärung am Dienstag, alleine könnten sie den Kampf gegen die Erderwärmung nicht gewinnen. Dieser Zusatz dürfte entscheidend für das Einlenken der USA gewesen sein. Bislang hatte Bush seinen Widerstand stets damit begründet, dass auch andere große Umweltsünder wie China und Indien ihren CO2-Ausstoß begrenzen müssten. Bush-Berater Dan Price bemerkte zufrieden, die G8-Erklärung nehme "alle großen Volkswirtschaften" in die Pflicht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die G8 werde über zwei Fonds im Umfang von zusammen sechs Milliarden Euro die Klimaschutz-Bemühungen der Schwellen- und die Entwicklungsländer unterstützen. Die Industrieländer müssten bei der Minderung des Schadstoffausstoßes den Löwenanteil mit ambitionierten Zwischenzielen leisten. Dabei werde es noch harte Verhandlungen geben. Denn konkrete mittelfristige Marken setzten die G8 in ihrem Kommunique nicht.
Immerhin fiel die Klimaerklärung aber griffiger aus, als die schwammige Variante vom G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Damals hieß es lediglich, man werde eine Halbierung der Emissionen bis 2050 "ernsthaft in Erwägung ziehen".
Merkel lobte die Vereinbarung als wichtigen Fortschritt im Kampf gegen den Klimawandel. Großbritanniens Premierminister Gordon Brown sagte, das Halbierungsziel sei ein großer Schritt hin zu einem neuen Rahmenwerk, das im Dezember kommenden Jahres auf einer UN-Konferenz in Kopenhagen angestrebt wird und das das 2012 auslaufende Kyoto Protokoll ersetzen soll.
WWF: KLIMA-ERKLÄRUNG IST ARMSELIG
Enttäuscht waren die fünf großen Schwellenländer China, Indien, Südafrika, Brasilien und Mexiko, die am Mittwoch zu dem G8-Gipfel in Toyako stoßen. Sie forderten umgehend eine Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes um 80 bis 95 Prozent unter das Niveau von 1990. Schon bis 2020 sollten die Emissionen um 25 bis 40 Prozent gedrückt werden und ferner sollten die reichen Länder 0,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel bereitstellen.
Der WWF erklärte, die G8-Staaten trügen die Hauptschuld am Klimawandel. Dass sie nicht zu ihrer historischen Verantwortung stünden, sei "armselig". Die Ankündigung zur Halbierung der Treibhausgase sei beliebig, solange kein Ausgangsjahr genannt werde, sagte Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid. Glaubwürdige Klimapolitik sehe anders aus. Die Globalisierungskritiker von attac warfen der G8 vor, sie inszeniere sich als Klimaschützer, setze aber auf weitere Investitionen im Ölsektor. Fortsetzung...

