Lage in Beirut auch nach Hisbollah-Abzug angespannt
Beirut (Reuters) - In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist die Lage auch nach dem Rückzug der Hisbollah-Kämpfer angespannt geblieben.
Regierungssoldaten patrouillierten am Sonntag durch die Straßen und bezogen mit gepanzerten Fahrzeugen Stellung im überwiegend muslimischen Teil der Stadt. Bewaffnete Kämpfer waren zwar nicht zu sehen, doch Jugendliche errichteten Straßensperren auf zentralen Durchgangsstraßen. Beiruts Flug- und Seehäfen blieben geschlossen. Bei nächtlichen Kämpfen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern in der zweitgrößten libanesischen Stadt, Tripoli, starben Sicherheitskräften zufolge zwei Menschen. Der Papst rief zum Ende der Gewalt auf.
Die Arabische Liga beriet am Sonntag über den jüngsten Gewaltausbruch in dem Vielvölkerstaat im Nahen Osten, bei dem nach Angaben der Polizei in den vergangenen fünf Tagen insgesamt 44 Menschen starben. Die radikal-islamische Hisbollah hatte am Freitag in weiten Teilen Beiruts die Kontrolle übernommen, sich am Samstag aber wieder zurückgezogen.
Die Hisbollah-Kämpfer verließen ihre Stellungen, nachdem die Armee zwei gegen die Miliz gerichtete Regierungsentscheidungen widerrufen hatte. Ministerpräsident Fuad Siniora hatte der Armee zuvor selbst die Verantwortung für den Umgang mit der Hisbollah übertragen. Während Siniora von der Hisbollah-dominierten Opposition nicht anerkannt wird, gilt die die Armee als neutral.
Die vom Iran und Syrien unterstützte Hisbollah kündigte nach ihrem Rückzug an, mit einer Kampagne zivilen Ungehorsams weiter für ihre Ziele zu kämpfen. Im Streit um die Machtverteilung zwischen dem pro- und dem anti-syrischen Lager des Landes blockiert die Hisbollah seit Monaten die Regierung und die Präsidentenwahl, die bereits 16 Mal verschoben werden musste.
Auch wenn die Spannungen nachgelassen hätten, müssten die Libanesen zum Verzicht auf jegliche Konfrontation aufgerufen werden, sagte Papst Benedikt XVI. Die Aggressionen drohten dem Land sonst irreparablen Schaden zuzufügen.
- Von Laila Bassam -
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