Zyklon-Katastrophe in Birma droht völlig zu eskalieren

Sonntag, 11. Mai 2008, 17:52 Uhr
 

Rangun (Reuters) - Nach dem verheerenden Wirbelsturm in Birma droht die Lage in dem verarmten Land nun völlig zu eskalieren. Bis zu 1,9 Millionen Menschen kämpfen der UN zufolge ums Überleben, während die Militärjunta weiter keine Helfer ins Land ließ.

Es werde inzwischen von bis zu mehr als 100.000 Toten und 220.000 Vermissten ausgegangen, teilten die Vereinten Nationen (UN) am Sonntag weiter mit. Auf der verzweifelten Suche nach Essen, Wasser und Medizin strömten Überlebende unterdessen in Scharen aus dem am schwersten verwüsteten Irrawaddy-Delta. Die UN warnten angesichts des dramatischen Mangels auch vor gewaltsamen Übergriffen unter den Opfern. Ein Rote-Kreuz-Schiff mit Hilfsgütern sank kurz vor seinem Ziel im Katastrophengebiet.

"Wenn nicht sofort und massiv Experten sowie Versorgungsgüter in die am schwersten betroffenen Gebiete gelangen, wird es eine Tragödie unvorstellbaren Ausmaßes geben", sagte Greg Beck vom International Rescue Committee. Die Hilfsorganisation Oxfam forderte am Sonntag ein internationales Engagement wie nach dem Tsunami an Weihnachten 2004, um in Birma den Ausbruch von Epidemien doch noch zu verhindern. Es ist die die schwerste Zyklon-Katastrophe ihrer Art in Asien seit 1991, als im benachbarten Bangladesch 143.000 Menschen starben.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier forderte die Regierung Birmas auf, internationalen Helfern schnell und uneingeschränkt Zugang zu den Notstandsgebieten zu gewähren. Steinmeier betonte nach einem Telefonat mit seinem thailändischen Amtskollegen, angesichts des Ausmaßes der Katastrophe sei internationale Hilfe dringlich und dulde keinen Aufschub mehr.

Birmas Militärjunta nimmt zwar Hilfslieferungen aus dem Ausland und auch von den UN an, lehnt aber deren Logistik ab. In der Stadt Labutta, die zu 80 Prozent durch den Zyklon zerstört wurde, geben die Behörden derzeit eine Tasse Reis am Tag pro Familie aus, wie ein EU-Vertreter berichtete.

Das erste Rote-Kreuz-Schiff mit Gütern für mehr als 1000 Menschen sank am Sonntag kurz vor Erreichen seines Ziels im Irrawaddy-Delta. Das doppelstöckige Frachtboot habe offenbar einen unter Wasser liegenden Baumstamm gerammt, sagte ein Sprecher der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) in Bangkok. Die Mannschaft und die vier birmanischen Rotkreuz-Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen, doch das Schiff sei untergegangen.

ahl/chr