Neue Kämpfe im Libanon - Merkel unterstützt Siniora
Beirut/Berlin (Reuters) - Der Libanon kommt nicht zur Ruhe.
Nach neuen Kämpfen zwischen regierungsfreundlichen Sunniten und Verbündeten der schiitischen Hisbollah steht das Land weiter am Rande eines Bürgerkrieges. In der im Norden gelegenen Stadt Tripoli kam es am Montag erneut zu Gefechten zwischen rivalisierenden Gruppen. Östlich von Beirut starben Sicherheitskreisen zufolge am Sonntag bei Kämpfen mindestens 36 Menschen. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in den seit Tagen anhaltenden Auseinandersetzungen auf 81, 250 Menschen wurden verwundet. Die arabische Liga rief die verfeindeten Parteien zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Die Bundesregierung stellte sich im innerlibanesischen Machtkampf hinter die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora.
In Tripoli bekämpften sich regierungsfreundliche sunnitische Muslime und mit der Hisbollah verbündete Milizen mit Maschinengewehren und Granaten. Zeugen zufolge wurden bei den Gefechten vier Menschen verwundet. Östlich von Beirut überrannten Anhänger der Hisbollah am Sonntag mehrere Stellungen von regierungsfreundlichen Anhängern des Drusen-Chefs Walid Dschumblatt, ehe dieser die Posten an die Armee übergab. Unter den 36 Toten der Kämpfe waren Kreisen zufolge 14 Hisbollah-Kämpfer. In Beirut blieb es am Montag ruhig, die Stimmung war jedoch weiterhin angespannt.
Die Außenminister der Arabischen Liga forderten auf einer Sondersitzung in Kairo am Sonntag, die Bewaffneten müssten sich zurückziehen und die Stationierung der Armee in den umkämpften Gebieten erlauben. Die Staatengemeinschaft werde zudem die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit und die schnellstmögliche Wahl des bisherigen Armeechefs Michel Suleiman zum Präsidenten des Libanon verlangen, sagte ein Vertreter der Arabischen Liga. Die Krisensitzung wurde von Saudi-Arabien und Ägypten einberufen, die die pro-westliche Regierung im Libanon unterstützen. Vertreter des mit der Hisbollah verbündeten Syrien nahmen nicht an dem Treffen teil. Bereits am Samstag hatte die Arabische Liga beschlossen, eine Vermittlerdelegation in den Libanon zu entsenden, die am Mittwoch in Beirut eintreffen soll.
Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich am Wochenende nach Telefonaten mit Siniora und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon besorgt über die Entwicklung in dem Mittelmeer-Land. Die CDU-Politikerin rief die Arabische Liga auf, eine stärkere Rolle bei der Beendigung des Konflikts einzunehmen und forderte ein bedingungsloses Ende der Gewalt. Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown veröffentlichten ähnliche Erklärungen.
Die Rivalität zwischen der sunnitisch geführten, pro-westlichen Regierung Sinioras und der von Syrien und Iran gestützten schiitischen Hisbollah war in der vergangenen Woche zu einem Bürgerkrieg eskaliert, nachdem die Regierung angekündigt hatte, die Kommunikationsstruktur der Hisbollah zu zerschlagen. Die Schiiten-Miliz, die von libanesischem Boden aus auch Israel angreift, hatte daraufhin weite Teile der Hauptstadt gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht.
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