Birmas Militärjunta erlaubt ausländische Hilfslieferungen
Rangun (Reuters) - Eine Woche nach dem verheerenden Wirbelsturm in Birma hat die dortige Militärjunta ihren Widerstand aufgegeben und ausländische Hilfsorganisationen ins Land gelassen.
Am Montag erreichte eine erstes Flugzeug mit Hilfslieferungen aus den USA das stark abgeschottete südostasiatische Land, außerdem öffnete Birmas Regierung einen Hafen in der Metropole Rangun, der von ausländischen Schiffen angesteuert werden soll. Nach Angaben der Bundesregierung bekamen auch Helfer aus Deutschland die Erlaubnis, in das Land einzureisen. Hilfsorganisationen bemängelten dennoch, dass sie bei Einsätzen weiterhin mit erheblichen Beschränkungen konfrontiert seien.
Am Montag landete ein US-Militärflugzeug mit Trinkwasser, Moskitonetzen und Decken an Bord in Rangun. Die Lieferung wurde vom Oberkommandeur der birmanischen Marine entgegen genommen. Die USA gaben sich hoffnungsvoll, dass auch weitere Flüge erlaubt würden. "Das ist Birmas Stunde der Not und die Bedürfnisse sind dringend", sagte die Geschäftsführerin der US-Agentur für Internationale Entwicklung, Henrietta Fore, die den Flug begleitete.
Ein thailändischer Regierungssprecher sagte, die birmanische Militärjunta habe das Ausland darum gebeten, Schiffe mit Hilfsgütern - insbesondere Baumaterial - nach Rangun zu entsenden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte kurz vor seinem Abflug nach Russland, die birmanische Botschaft in Berlin habe deutschen Hilfsorganisationen grünes Licht für die Einreise gegeben. Ein Dutzend Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks würden noch am Montag die Reise antreten. Am Dienstag sollten vier Trinkwasseraufbereitungsanlagen in das auch Myanmar genannte Land geflogen werden, mit denen täglich 40.000 Menschen versorgt werden könnten. An Bord der Maschine seien auch Hilfsgüter weiterer Organisationen wie etwas des Deutschen Roten Kreuzes, dem Malteser Hilfsdienst und den Johannitern.
"Wir werden uns weiterhin bemühen, weiteren Hilfsorganisation aus Deutschland die Einreise in Myanmar zu ermöglichen", sagte Steinmeier. Das Rote Kreuz teilte mit, bislang seien zehn Flugzeuge mit Hilfsgütern in Rangun angekommen. "Es freut mich einerseits, dass wir Hilfe ins Land bringen und auch an die betroffenen Menschen verteilen können. Anderseits ist es noch lange nicht genug. ", sagte der operative Leiter der internationalen Rotkreuzarbeit in Rangun, Bernd Schell.
Zahlreiche Organisationen gaben an, die Einsätze liefen derzeit nur eingeschränkt. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms gab an, dass nur etwa 20 Prozent der für die Katastrophengebiete vorgesehenen Lebensmittel in das schwer abgeschottete Land kämen. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sprach von positiven Signalen. Dennoch sei es sehr schwierig, die dringend benötigten Lieferungen zu den am härtesten von der Katastrophe Betroffenen zu bringen. Die Vereinten Nationen bemängelten am Montag, ihre Mitarbeiter in der thailändischen Hauptstadt Bangkok hätten bislang keine Visa für Birma erhalten und Mitarbeiter in Rangun dürften die Stadt nicht verlassen. Es gäbe Beschränkungen, wenn nicht gar Verbote für UN-Mitarbeiter, was die Einreise in das vom Sturm schwer verwüstete Irrawaddy-Delta beträfe, sagte UN-Vertreter Terje Skavdal.
Die UN teilte am Montag mit, insgesamt seien bis zu 100.000 Personen bei dem Sturm ums Leben gekommen oder würden vermisst. Die UN starteten am Montag zudem ihren Hilfsaufruf für Birma. Sie erhoffen sich Finanzhilfen in Höhe von 187 Millionen Dollar. Den Menschen in den am schwersten betroffenen Regionen fehlt es an Nahrungsmitteln und Wasser. Wegen katastrophaler Hygienebedingungen drohen ihnen Krankheiten wie etwa Cholera. Trotz der Lage im Land und internationaler Kritik ließ die Regierung in Birma am Wochenende per Volksentscheid über eine neue Verfassung abstimmen. In einer intensiven Propagandakampagne hatte die Junta die Menschen dazu aufgerufen, der Verfassung zuzustimmen.
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