Birmas Militär trotzt weiter Ruf nach Öffnung für Helfer

Sonntag, 18. Mai 2008, 16:51 Uhr
 

Rangun (Reuters) - Auch zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Sturm trotzt Birmas Militärjunta internationalem Druck, mehr ausländische Helfer für Millionen Betroffene ins Land zu lassen.

Dabei wird die Lage der Überlebenden einer der schlimmsten Naturkatastrophen in Asien immer dramatischer: So geht die UN davon aus, dass Lebensmittel von außerhalb nicht einmal ein Drittel jener 750.000 Menschen erreichen, die am meisten Hilfe benötigen. Werde dort nicht schnelle geholfen, drohe Tausenden Kindern binnen Wochen der Tod.

Bislang gehen die regierenden Generäle von mindestens 134.000 Toten und Vermissten aus. Bis zu 2,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Die Zahl der Toten könnte Experten zufolge dramatisch steigen, wenn die Junta ausländische Hilfe weiterhin nur tröpfchenweise ins Land lässt. Die seit 46 Jahren herrschenden Militärs haben wiederholt erklärt, sie hätten die Lage im Griff. So weigert sich Juntachef Than Shwe weiterhin, mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zu telefonieren. Ban hatte eine Geberkonferenz vorgeschlagen.

Der britische Premierminister Gordon Brown warf den Militärs unterdessen eine unmenschliche Haltung vor. Seine Regierung erwäge daher, Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. "Wir schließen nichts aus, weil wir wollen, dass die Hilfe das Volk direkt erreicht." Gleichwohl äußerte der britische Asienminister Mark Malloch-Brown Zuversicht, die Militärs durch Gespräche zum Einlenken bewegen zu können. Es werde an einer Lösung unter Leitung der Vereinten Nationen und asiatischer Länder gearbeitet, sagte er Reuters am Sonntag.

Vor der Küste Birmas kreuzen amerikanische und französische Kriegsschiffe, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Beide Länder machen den Start von Hilfsflügen aber von der Zustimmung der Militärs abhängig.

Trotz aller Zuversicht schloss Mallow-Brown aus, dass Birma eine größere Anzahl ausländischer Helfer ins Land lassen wird. Diesen Eindruck gewann auch der EU-Vertreter Bernard Delpuech bei einer für Diplomaten arrangierten Reise in das Katastrophengebiet. Der die ausländischen Vertreter begleitende birmanische Minister sei bei jeder Gelegenheit gebeten worden, mehr Hilfe ins Land zu lassen. Die Antwort sei stets die gleiche gewesen: "Ja, sie sind dazu bereit - aber sie wollen keine Leute, durch die neue Probleme entstehen." Die Generäle hätten vor den Diplomaten zwar nichts verborgen, wohl aber die gezeigten Plätze sorgfältig ausgewählt.

 
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