China ordnet Staatstrauer für Erdbebenopfer an

Sonntag, 18. Mai 2008, 16:52 Uhr
 

Beichuan (Reuters) - China hat eine dreitägige Staatstrauer angeordnet, mit der von Montag an der inzwischen mehr als 32.000 Toten des verheerenden Erdbebens gedacht werden soll.

Fahnen sollten auf Halbmast wehen und drei Schweigeminuten eingelegt werden, um genau eine Woche nach den Erdstößen an das schwerste Beben in China seit drei Jahrzehnten zu erinnern. Auch der olympische Fackellauf solle ausgesetzt werden, berichtete das staatliche Fernsehen. Am Sonntag versetzte ein schweres Nachbeben die Bevölkerung in der Katastrophenregion in Angst und Schrecken. Tausende Menschen flohen in der Provinzhauptstadt Chengdu aus schwankenden Gebäuden. Retter suchten weiter fieberhaft nach noch immer rund 10.000 Verschütteten.

Auf der Internetseite der chinesischen Regierung hieß es weiter, auch öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sollten von Montag an für drei Tage ausgesetzt werden. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Zahl der Toten auf mehr als 50.000 ansteigen wird. Nach offiziellen Angaben sind 4,8 Millionen Menschen durch das Beben obdachlos geworden, rund 220.000 wurden verletzt. Ministerpräsident Wen Jiabao sagte, die schnelle Hilfe habe dazu beigetragen, dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe.

Durch das Nachbeben rund 200 Kilometer nördlich von Chengdu wurden weitere Straßen schwer beschädigt. Berichte über neue Todesopfer lagen zunächst vor, berichtete Xinhua. Seit den ersten Erdstößen mit einer Stärke von 7,9 am Montag wurde die Region bereits von Hunderten Nachbeben erschüttert. Behörden befürchten, dass noch weitere Gebäude einstürzen oder brüchig gewordene Dämme brechen könnten. Die Atomanlagen nahe des Erdbebengebiets seien jedoch sicher und unter Kontrolle, berichtete Xinhua.

ÜBERLEBENDE NACH EINER WOCHE AUS DEN TRÜMMERN GEZOGEN

Nicht nur durch die Nachbeben, sondern auch durch widrige Wetterbedingungen wurden die Rettungsarbeiten behindert. Dennoch wurden noch immer Überlebende aus den Trümmern gezogen. Am Wochenende wurden laut Xinhua in Yinxiu nahe dem Epizentrum des ersten Bebens 54 Menschen gerettet. Am Sonntagmorgen holten Feuerwehrleute unter Applaus einen Mann aus den Trümmern eines Krankenhauses in Beichuan. Ihm habe allerdings umgehend ein Bein amputiert werden müssen. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass die meisten Verschütteten inzwischen tot sind.

Die Polizei im besonders betroffenen Beichuan verwehrte vielen verzweifelten Angehörigen den Zugang. Die Polizei sperrte aus Sicherheitsgründen Teile des Katastrophengebiets ab und zog damit den Zorn von Angehörigen auf sich. "Es ist zu grausam, mich soweit kommen zu lassen und nun aber nicht durchzulassen", sagte ein Mann der aus der benachbarten Provinz Qinghai nach Beichuan gekommen war, um nach seinem Vater zu suchen. "Ich bin soweit gereist, und ich weiß nicht wo mein Vater ist."

Tausende Menschen waren zuvor aus der Region geflohen, als der Damm eines Stausees zu bersten drohte. Doch ein Vater auf der Suche nach seiner kleinen Tochter ließ sich davon nicht abschrecken. "Ich glaube nicht, dass der Damm eine große Gefahr darstellt", sagte er. "Und ich kann sowieso nicht anders, als weiter zu suchen." Seine Tochter wäre einen Tag nach dem Erdbeben sechs Jahre alt geworden.

- Von Chris Buckley -

 
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