Entrüstung über neue Bestechungsvorwürfe gegen Olmert
Jerusalem (Reuters) - Nach den erneuten Bestechungsvorwürfen gegen Ehud Olmert haben zahlreiche israelische Medien den Rücktritt des Regierungschefs gefordert.
"Mehrere Millionen Schekel - Bar auf die Hand", titelte etwa das Massenblatt "Maariv" am Freitag. "Wir haben über so viele Jahre von Ihren Eskapaden mit der Polizei gehört - warum sollen wir Ihnen jetzt noch glauben?" Der 62-Jährige hatte am Donnerstag die Annahme von Geldern zugegeben, aber erklärt, es habe sich um Spenden gehandelt. Zurücktreten werde er nur, falls die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erheben sollte. Dies würde die ohnehin verfahrenen Friedensgespräche mit den Palästinensern weiter erschweren.
Viele Bürger machten sich aber keine Illusionen: "Olmert ist aalglatt und wird diese Affäre überleben wie auch schon frühere Ermittlungen", sagte etwa der Sozialarbeiter Adam Haisreal. Olmert werde wieder darauf verweisen, dass Israel angesichts der Friedensgespräche und der Bedrohungen von Außen eine stabile Regierung brauche. "Er taugt nicht zum Regierungschef - aber das Problem ist, dass es keinen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge gibt", sagte Haisreal. "Die Spitzenpolitiker haben alle den Ruf von korrupten Opportunisten."
Die Polizei hatte am Donnerstag erklärt, Olmert werde verdächtigt, von einem oder mehreren Ausländern große Geldsummen über einen längeren Zeitraum erhalten zu haben. Nach Angaben aus Justizkreisen beläuft sich die Summe auf Hunderttausende Dollar.
Olmert hatte kurz darauf im israelischen Fernsehen gesagt, er habe in seiner Zeit als Bürgermeister von Jerusalem Geld des New Yorker Geschäftsmannes Morris Talansky angenommen. Das seien aber Spendengelder zur Finanzierung seiner Kampagnen zur Wiederwahl als Bürgermeister und Chef der Likud-Partei gewesen. "Ich habe niemals Bestechungsgelder angenommen", sagte Olmert, dessen Stellungnahme auf den 60. Jahrestag der Gründung Israels fiel. "Nie habe ich auch nur einen Cent für mich verwendet."
Die Zeitung "Yadioth Ahronoth" kommentierte indes, es sei zweifelhaft, ob Olmert diese Ermittlungen politisch überleben werde. Sollte er nicht wegen der aktuellen Affäre stürzen, so doch deshalb, weil nach den zahlreichen anderen Ermittlungen gegen ihn das Fass nun zum Überlaufen gebracht sei.
Träte Olmert wirklich zurück, gilt Außenministerin Zipi Liwni als wahrscheinlichste Nachfolgerin. Offen wäre, wie lange sie sich ohne Neuwahlen halten könnte. Diese müsste sie derzeit aber fürchten, da aktuelle Umfragen einen Sieg der Opposition nicht ausschließen. Das ist nach Einschätzung von Beobachtern auch der Grund dafür, dass sich Olmert wichtigster Koalitionspartner, die Labour-Partei um Verteidigungsminister Ehud Barak, derzeit mit Kritik an Olmert zurückhält.
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