Studie: Hilfe für Afghanistan kommt kaum bei Menschen an
Kabul (Reuters) - Die internationalen Milliardenhilfen für Afghanistan kommen nach der Studie einer nichtstaatlichen Organisation häufig nur in Bruchteilen bei den Menschen an.
Von 100 gespendeten Dollar erreichten in einigen Fällen nur 20 Dollar die Afghanen, erklärte die unabhängige Organisation Integrity Watch Afghanistan (IWA) wenige Tage vor der Geberkonferenz für Afghanistan in Paris. Bis zu 50 Prozent des seit 2001 bereitgestellten Geldes floss demnach in Sicherheitsmaßnahmen für die zahlreichen ausländischen Helfer und deren Bezahlung.
IWA-Autor Lorenzo Delesgues forderte die Geberländer auf, ihre Hilfe effektiver zu organisieren und die Ausgaben besser zu steuern. "Hilfe besteht nicht nur darin, medizinische Unterstützung zu leisten oder Schulen zu bauen", sagte er am Montag in Kabul bei der Vorlage der Studie. "Sie besteht auch darin, dem Staat zu mehr Unabhängigkeit zu verhelfen. Das wird aber von den Geberländern zu wenig gemacht."
Afghanistan will am Donnerstag in Paris um weitere 50 Milliarden Dollar bitten. Sechs Jahre nach dem Sturz der Taliban ist der Krieg gegen die islamischen Extremisten noch nicht beendet und Afghanistan gehört noch immer zu den ärmsten Staaten der Welt. Deutschland beteiligt sich an dem Nato-Einsatz mit rund 3500 Soldaten, die im Norden für die Sicherheit verantwortlich sind und beim Wiederaufbau helfen.
Der Studie zufolge wurden in den vergangenen sieben Jahren 25 Milliarden Dollar (rund 16 Milliarden Euro) bereitgestellt, davon seien 15 Milliarden Dollar ausgegeben worden. Zwischen 15 und 30 Prozent des Geldes sei in Sicherheitsmaßnahmen investiert worden. Bis zu 20 Prozent sind demnach in die sogenannte "Technische Hilfe" geflossen. Dahinter verbergen sich die Gehälter für ausländische Experten, die im Falle einer Hilfsorganisation der US-Regierung bis zu 22.000 Dollar (etwa 14.000 Euro) im Monat erhalten.
70 Prozent der Hilfe laufen zudem nicht über die Regierung. Damit habe der Staat nicht genügend Kontrolle über die Ausgaben, kritisierte die IWA. Außerdem sei die Regierung nach wie vor zu 90 Prozent von ausländischen Spenden abhängig und schulde damit dem Volk zu wenig Rechenschaft. Die internationale Gemeinschaft müsse stärker dafür sorgen, dass Afghanistan von seinem Rohstoffreichtum profitiere. Die IWA macht die ineffektiven Hilfen auch für die grassierende Korruption mitverantwortlich. Die Verteilung des Geldes über zahlreiche Subunternehmer öffne Schmiergeldern und Bestechung Tor und Tür. - von Jon Hemming -
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