Arabische Liga erreicht Vereinbarung im Libanon

Donnerstag, 15. Mai 2008, 19:51 Uhr
 

Beirut (Reuters) - Nach tagelangen Gefechten in Beirut hat die Arabische Liga eine Vereinbarung erreicht, mit der der Konflikt zwischen der pro-syrischen Hisbollah und dem vom Westen unterstützten Regierungslager beendet werden soll.

Die radikal-schiitische Miliz beendete daraufhin noch am Donnerstag die Blockade von Flughafen und Hafen. Am Freitag sollten die Konfliktparteien in Katar Gespräche über die künftige Machtverteilung im Libanon beginnen und damit den seit eineinhalb Jahren anhaltenden Streit beilegen.

"Die Beteiligten haben zugesagt, nicht zu den Waffen zurückzukehren, um ihre politischen Ziele durchzusetzen", erklärte Katars Ministerpräsident Scheich Hamad bin Dschassim bin Dschabr al-Thani, der die Delegation der Arabischen Liga anführte. Die Gespräche in Katar würden solange geführt, bis eine Lösung gefunden sei. Der Konflikt war in der vergangenen Woche in die schlimmsten Kämpfe seit dem Ende des Bürgerkriegs vor 18 Jahren eskaliert. Bei den Gefechten zwischen Schiiten, Sunniten und Drusen wurden binnen weniger Tage mindestens 81 Menschen getötet.

Die Opposition erklärte, sie werde auch ihre Kampagne des zivilen Ungehorsams beenden, die das Land seit Monaten lähmt. Weniger als eine Stunde nach der Ankündigung landete auf dem Beiruter Flughafen erstmals seit einer Woche wieder ein Passagierflugzeug. "Wir wollen zu einer Regelung zurückkehren, die keinen als Sieger oder Verlierer zurücklässt", erklärte der Vize-Chef der Hisbollah, Scheich Naim Kassem nach den Gesprächen mit der arabischen Delegation.

Die südlibanesische Miliz verlangt mehr Einfluss im Kabinett. Zudem soll in Katar ein neues Wahlrecht ausgehandelt werden. Die Verteilung der Ämter folgt im Libanon einem komplizierten Proporzsystem, um den zahlreichen Minderheiten, Religionsgruppen und Gemeinschaften ein Mitspracherecht zu sichern. Die Hisbollah versucht die Gewichte zu verschieben, seit das anti-syrische Lager nach dem Anschlag auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Rafik al-Hariri im Februar 2005 die Oberhand gewonnen hat. Seit dem Krieg zwischen der Miliz und Israel im Sommer 2006 sichert eine UN-Friedenstruppe den Waffenstillstand im Süden, an der sich die Bundeswehr mit einem Marineeinsatz beteiligt.

 
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