Merkel will Brasilien als Partner für erneuerbare Energie
Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel will auf ihrer Lateinamerika-Reise die Partnerschaft mit Brasilien in der Energiepolitik ausbauen.
Das geplante Energieabkommen mit Deutschlands größtem Handelspartner in der Region solle die Zusammenarbeit bei Energiespartechniken und erneuerbaren Energien fördern, hieß es am Dienstag zu Beginn der einwöchigen Reise aus dem Kanzleramt.
Wie aus Regierungskreisen verlautete, will die Bundesregierung auch die Fortführung der Zusammenarbeit bei der zivilen Nutzung der Atomenergie gewährleisten. Eine entsprechende gesonderte diplomatische Note sei vorbereitet und mit CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos sowie SPD-Umweltminister Sigmar Gabriel abgestimmt. Die SPD hält in Deutschland entgegen Forderungen aus der Union an dem unter der rot-grünen Koalition beschlossenen Atomausstieg fest.
Das seit Mitte der 70er Jahre bestehende Atomabkommen mit Brasilien hätte im kommenden Jahr gekündigt werden können. Gabriel habe auf eine solche Forderung verzichtet, weil die Atomfrage nicht in das allgemeine Energieabkommen aufgenommen wurde und dessen Schwerpunkt eindeutig auf umweltfreundlichen Energien liege, hieß es. Brasilien habe Wert auf die Klarstellung zur Atompolitik gelegt.
Mit der geplanten Zusicherung der Zusammenarbeit bei der Atomenergie kann sich die deutsch-französische Nuklearfirma Areva, die aus einer Siemens-Tochter und der Framatome hervorging, Hoffnungen auf den Auftrag für die Fertigstellung des brasilianischen Atomkraftwerks Angra III machen. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva hatte kürzlich die Aufhebung des Baustopps in Aussicht gestellt.
CHAVEZ-ANGRIFFE AUF MERKEL OHNE GROSSE BEDEUTUNG
Merkel wird auf ihrer ersten Lateinamerika-Reise als Kanzlerin von einer Wirtschaftsdelegation begleitet und besucht auch Mexiko als zweiten wichtigen Handelspartner Deutschlands in der Region sowie Kolumbien. Im Mittelpunkt der bisher längsten Auslandsreise Merkels steht der EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima (Peru).
Kurz vor der Reise hatte Venezuelas linker Präsident Hugo Chavez die Bundeskanzlerin in die Nähe von Adolf Hitler und des Nationalsozialismus gerückt. Diese Angriffe würden das Ansehen Merkels in Lateinamerika nicht beeinträchtigen, sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden, der zur Delegation gehört. Die Vorbereitungen der Reise hätten gezeigt, dass viele lateinamerikanische Länder großen Wert auf die Teilnahme Merkels an dem Gipfeltreffen legten.
"Herr Chavez sollte das beherzigen, was der spanische König Juan Carlos ihm unlängst gesagt hat", sagte von Klaeden. Der Monarch hatte Chavez während eines Iberoamerika-Gipfels im November mit den Worten "Warum hältst Du nicht die Klappe?" zurechtgewiesen, als dieser permanent mit Zwischenrufen die spanische Politik angriff.
© Thomson Reuters 2008 Alle Rechte vorbehalten.


