Energiepakt mit Brasilien fördert Biosprit und Atomstrom

Mittwoch, 14. Mai 2008, 18:46 Uhr
 

Brasilia (Reuters) - Deutschland will den umstrittenen Ausbau der Biosprit-Produktion in Lateinamerika fördern.

Allerdings müssten Länder wie Brasilien als einer der Hauptexporteure von Bioethanol mehr für eine umweltgerechte Herstellung tun, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch bei der Unterzeichnung eines Energieabkommens in Brasilia. "Es wäre ganz falsch, die gesamte Biosprit-Strategie zu verwerfen. Allerdings muss der nachhaltige Weg gefunden werden", forderte Merkel. Die CDU-Politikerin traf zum Auftakt ihrer Lateinamerika-Reise mit Brasiliens Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva zusammen.

ATOMABKOMMEN MIT BRASILIEN BEKRÄFTIGT

Das Energieabkommen, das bei dem Treffen von Merkel und Lula von Regierungsvertretern beider Ländern unterzeichnet wurde, sieht nicht nur eine verstärkte Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien vor. Gleichzeitig wollen Deutschland und Brasilien auch bei der Gewinnung herkömmlicher Energierohstoffe wie Öl, Kohle und Gas sowie bei der zivilen Nutzung der Atomenergie kooperieren. Das Atomabkommen aus dem Jahre 1975 bleibe weiterhin gültig, teilte das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mit. Brasiliens Staatschef Lula will die Atomkraft ausbauen. Davon könnte Siemens profitieren.

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) warf der SPD vor, sie sei vor der Union in der Atomenergiefrage eingeknickt. Mit der Fortschreibung des Atomvertrages mit Brasilien wolle die Union die Nutzung der Kernenergie wieder hoffähig machen.

BIOSPRIT BLEIBT UMSTRITTEN

Auch der Ausbau der Bioethanol-Produktion ist umstritten. Der Ersatz von herkömmlichem Treibstoff durch Bioethanol dürfe nicht zum Abholzen von Regenwald führen und damit zu Lasten des Artenschutzes gehen, sagte Merkel. Die EU und Deutschland würden deshalb Kriterien für den Import von Ethanol festlegen, bekräftigte sie. Brasilien ist nach den USA größter Hersteller von Ethanol und weltweit wichtigster Exporteur des Biotreibstoffs.

Hilfsorganisationen wie Misereor und "Brot für die Welt" warnten vor immer mehr Biosprit-Importen aus Lateinamerika. Die Herstellung aus Zuckerrohr führe dazu, dass Menschen für die Landgewinnung vertrieben, immer mehr Tropenwald abgeholzt und die Nahrungsmittelproduktion verdrängt würden. Brasilien sei noch weit von sozialen und ökologischen Mindeststandards entfernt, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

BRASILIEN WICHTIGER PARTNER FÜR ARTEN- UND KLIMASCHUTZ

Merkel stellte auf der ersten Station ihrer einwöchigen Lateinamerika-Reise die zentrale Bedeutung Brasiliens sowohl als aufstrebende Wirtschaftsmacht als auch für die Lösung globaler Probleme heraus. "Brasilien ist das Land mit der größten Artenvielfalt in der Welt", sagte sie. Auch für den Klimaschutz spiele das Land eine zentrale Rolle. Darüber hinaus gehe es bei ihrer Reise auch um die Zusammenarbeit bei der Lösung sozialer Probleme. Die Kanzlerin nimmt im Laufe ihrer bisher längsten Auslandsreise auch am EU-Lateinamerika-Gipfel in Peru teil und besucht anschließend Kolumbien und Mexiko.

 
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