Euro-Finanzminister nehmen Managergehälter ins Visier

Mittwoch, 14. Mai 2008, 19:27 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die EU-Finanzminister wollen nach Worten von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück eine Grundsatzdebatte über unverhältnismäßig hohe Managergehälter in Gang setzen.

Bei einer ersten Diskussion zu dem Thema seien sich viele Finanzminister einig gewesen, dass es bei den Vergütungen in den Chefetagen eine "exzessive Entwicklung" gebe, die die Grundfesten des Wirtschafts- und Gesellschaftssystems erschüttere, sagte Steinbrück am Mittwoch nach dem Treffen der Minister in Brüssel. Der Chef der Euro-Finanzministergruppe Jean-Claude Juncker hatte zuvor von "skandalöse Tendenzen" gesprochen, vor allem bei Abfindungen für Manager, die versagt hätten. Der slowenische Finanzminister und Ratsvorsitzende Andrej Bajuk verkündete, das Thema solle auf die Tagesordnung des nächsten Finanzministerrates gesetzt werden.

Die Finanzminister sorgen sich darüber, dass ihre Aufrufe an die Bürger zur Lohnmäßigung als Antwort auf die steigende Inflation auf immer mehr Unverständnis stoßen. Steinbrück sagte, die Fehlentwicklung in Banken und Unternehmen müsse auch mit Blick auf die Europawahl im kommenden Jahr thematisiert werden. Die meisten Finanzminister wollen Juncker zufolge nicht länger hinnehmen, dass hohe Abfindungszahlungen gefeuerter Unternehmenslenker auch noch von den Firmen steuerlich abgesetzt werden könnten. Steinbrück betonte jedoch, gesetzliche Regelungen über die Höhe der Managergehälter könne es auf EU-Ebene nicht geben. Doch wollten die Politiker darauf hinwirken, dass die Chefs im eigenen Interesse das rechte Maß wiederfänden. Hohe Bonuszahlungen für Investmentbanker seien schließlich eine Ursache der Finanzmarktturbulenzen, wie Vertreter von Banken schon selbstkritisch festgestellt hätten.