G-7 demonstriert Gemeinsamkeit bei Krisenbekämpfung

Samstag, 9. Februar 2008, 14:59 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die sieben führenden Industrieländer (G-7) haben einen gemeinsamen Handlungsrahmen abgesteckt, um Finanzkrisen wie der aktuellen künftig besser begegnen zu können.

Die weltwirtschaftlichen Wachstumsaussichten beschrieben sie auf ihrer Konferenz am Samstag in Tokio eher gedämpft und von unabsehbaren Risiken geprägt. Dennoch sprach die G-7 bei allen Schwächetendenzen von einer insgesamt weiter soliden wirtschaftlichen Basis, auch für die USA.

Dort sieht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück ungeachtet dessen Rezessionstendenzen. Forderungen nach Konjunkturprogrammen der Europäer habe die US-Seite nicht erhoben. Dafür gebe es in Deutschland auch keinen Anlass. Keinen Grund gebe es auch, die deutsche Wachstumsprognose von 1,7 Prozent zu revidieren, sagte er.

Das Abschreibungsvolumen bei den Banken weltweit als Folge der jüngsten Finanzkrise schätzte Steinbrück auf etwa 400 Milliarden Dollar. Diese Zahl habe sich als allgemeine Sichtweise bei den G-7-Diskussionen herauskristallisiert.

KONKRETE HANDLUNGSFELDER ABGESTECKT

In ihrer Abschlusserklärung sprachen die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 sechs Themenfelder an, in denen als Reaktion auf die Finanzkrise gehandelt werden sollte. Dabei seien die Banken, Aufsichtsbehörden und Rating-Agenturen besonders gefordert. "Wir stehen bereit, darüber hinaus weitere notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um den Finanzmarkt zu stabilisieren und sicherzustellen, dass die internationale Integration von Finanzmärkten und Finanzinstrumenten weiter zum Wohle der Weltwirtschaft wirkt", hieß es im Kommunique. Steinbrück äußerte sich "ziemlich befriedigt". "Ich glaube, dass dies ein ganz wichtiges Zwischenstadium ist", erklärte er. Er sehe bei dem Thema viele Gemeinsamkeiten innerhalb der G-7.

Steinbrück selbst hatte unmittelbar vor dem G-7-Treffen mit Vorschlägen die Initiative ergriffen. Viele davon finden sich auch in der Abschlusserklärung wieder. Zudem zeigte sich der Minister weitgehend einig mit den Inhalten des Zwischenberichts des Finanzstabilitätsforums (FSF), das den Orientierungsrahmen der G-7 absteckt. Im April soll der FSF-Endbericht vorliegen.

Im Einzelnen fordern die G-7 die schnelle und umfassende Offenlegung aller Risiken von den Banken. Sie treten ein für die schnelle weltweite Umsetzung der neuen Eigenkapitalstandards für Banken (Basel II). Zudem wird eine Verbesserung des Liquiditäts- und Risikomanagements der Banken angemahnt sowie eine bessere Transparenz und lückenlose Offenlegung von Risiken. Der Tendenz bei Banken, Risiken zusammenzufassen und als Wertpapiere zu verkaufen und diese außerhalb der Bilanzen zu verbuchen soll entgegengewirkt werden. Des weiteren geht es um eine bessere Zusammenarbeit der Aufsichtsbehörden und um die Behebung von Interessenskonfliken bei Rating-Agenturen. Als Krisen-Frühwarner soll künftig stärker der Internationale Währungsfonds (IWF) eingespannt werden.

Die Formulierungen der G-7 zu den Wachstumsperspektiven der Weltwirtschaft fielen erheblich zwiespältiger aus als noch bei dem letzten Ministertreffen im Oktober 2007. "Es gab eine Stimmung von deutlich gestiegenem Pessimismus und Sorge", sagte Italiens Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa. Im Kommunique ist von einer Wachstumsverlangsamung in den einzelnen Ländern in unterschiedlichem Ausmaß die Rede. Es gebe zudem viele Risiken, wie hohe Rohstoffpreise, die Ausdehnung der Probleme am US-Hypothekenmarkt oder Inflationsgefahren.   Fortsetzung...