October 8, 2010 / 4:20 AM / 9 years ago

Bundeswehrsoldat bei Anschlag in Afghanistan getötet

Berlin (Reuters) - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine deutsche Patrouille im Norden Afghanistans ist am Donnerstag ein Bundeswehrsoldat getötet worden.

Sechs weitere Soldaten wurden verletzt, zwei davon schwer, wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte ihre Bestürzung über den Tod des 26-jährigen Oberfeldwebels aus dem niedersächsischen Seedorf und sprach den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Sie verurteilte die Tat als feigen Anschlag.

Den Angaben nach hatte die Patrouille die Zufahrtsstraße zu einer Brücke in der Nähe des Dorfs Aka-Khel überwachen sollen. Die Verletzten wurden per Hubschrauber in das Lager Pol-E Khomri geflogen, hieß es in Bundeswehr-Kreisen. Bei der Sicherung des Anschlagsortes wurden deutsche Soldaten erneut in ein Feuergefecht verwickelt. Der Bundeswehr zufolge wurden sie mit Handfeuerwaffen und Mörsern beschossen. Die Kämpfe endeten gegen 16.00 Uhr (MESZ), zwei Stunden nach dem Anschlag.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sprach im Bundestag von einer sehr traurigen Nachricht. Seine Gedanken und Gebete seien bei den Soldaten und ihren Familien. Die Soldaten seien in einem Einsatz zu Schaden gekommen, “der unserer Sicherheit dient”.

Außenminister Guido Westerwelle sprach von einem hinterhältigen Anschlag. “Dieser barbarische Akt richtet sich nicht nur gegen uns, er richtet sich auch gegen die große Mehrheit der Afghanen, die eine friedliche, auf Ausgleich und Versöhnung gerichtete Politik für ihr Land will.”

Bislang kamen 44 Bundeswehrsoldaten in dem Einsatz seit dem Jahr 2001 ums Leben, davon 27 durch Anschläge und Gefechte. 156 wurden verwundet.

Zurzeit sind rund 4700 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert. Sie stehen zusammen mit rund 85.000 Soldaten aus mehr als 40 Nationen unter dem Kommando der Nato. Die Mandatsobergrenze für die deutschen Truppen liegt bei 5350 Soldaten - inklusive einer flexiblen Reserve von 350 Soldaten.

Bestürzung löste der Anschlag auch bei den anderen im Bundestag vertretenen Parteien aus. Die Linke nutzte den Vorfall, um erneut den unverzüglichen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu fordern. Das tragische Ereignis zeige, dass der Krieg die Lage in dem Land nicht verbessert habe, sagte Fraktionschef Gregor Gysi.

NATO: TRUPPE HAT TROTZ ANGRIFFEN AUF LKW GENÜGEND VORRÄTE

Die westlichen Soldaten in Afghanistan haben der Nato zufolge trotz der zahlreichen Angriffe auf Tanklaster und der blockierten Nachschubroute in Pakistan genügend Vorräte. Der Einsatz werde dadurch nicht erschwert, sagte Nato-Sprecher Josef Blotz. “Die Isaf-Operationen hier in Afghanistan sind von all diesen Ereignissen nicht betroffen.” Erst am Mittwoch hatten Extremisten nach Polizeiangaben bis zu 40 Laster in Pakistan angezündet. Die Schutztruppe Isaf hofft auf eine baldige Öffnung der geschlossenen Versorgungsroute.

Pakistan hatte aus Verärgerung über die zunehmenden US-Angriffe mit Drohnen und Hubschraubern auf mutmaßliche Extremisten die wichtige Nachschubroute über den Khyber-Pass im Nordwesten des Landes geschlossen. Bei einem der Angriffe wurden zwei pakistanische Soldaten mit Apache-Kampfhubschraubern beschossen und getötet, wofür sich die USA am Mittwoch entschuldigten.

Bundeswehr-Brigadegeneral Blotz sagte, die Isaf habe in Afghanistan genügend Reserven und andere Transportwege, um vorübergehende Unterbrechungen zu überbrücken. So werde nur ein Drittel des benötigten Treibstoffes über Pakistan geliefert. Blotz zufolge bekommen die Einheiten auch über nördliche Transportrouten Nachschub, etwa durch Usbekistan.

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