July 22, 2009 / 7:41 AM / 11 years ago

Bundeswehr im größten Kampfeinsatz in Afghanistan

Berlin (Reuters) - Im Norden Afghanistans kämpfen Soldaten der Bundeswehr erstmals mit schweren Waffen gegen die radikal-islamischen Taliban.

File photo of a gunner of the German ISAF Quick Reaction Force regional command north (QRF) in a convoy at the Marmal mountain near the German ISAF headquarters in Masar-i-Sharif, north of Kabul, July 1, 2008. Soldiers of the German army Bundeswehr have been involved in an offensive since Sunday against the Taliban in northern Afghanistan, a spokesperson for the Bundeswehr said on July 22, 2009. REUTERS/Fabrizio Bensch/Files (AFGHANISTAN) MILITARY)

Es sei die wohl größte Operation unter deutscher Beteiligung, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Mittwoch in Berlin. Rund 300 deutsche Soldaten seien im Einsatz. Ziel sei es, die Sicherheitslage im Raum Kundus vor der afghanischen Präsidentenwahl wieder zu stabilisieren, erklärte Verteidigungsminister Franz Josef Jung. Dort sind deutsche Soldaten zuletzt vermehrt ins Visier Aufständischer geraten.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, bei dem seit Sonntag laufenden Einsatz seien auch Schützenpanzer vom Typ Marder sowie Mörser im Einsatz. Es handele sich um eine Operation von rund 900 afghanischen Sicherheitskräften, die von der internationalen Schutztruppe ISAF unterstützt werde. Daran sei auch die von der Bundeswehr gestellte schnelle Eingreiftruppe beteiligt. Die mit schweren Waffen ausgerüstete “Quick Reaction Force” (QRF) ist im gesamten Norden einsatzbereit und kann dort gegen Feinde eingesetzt werden.

Die Offensive werden voraussichtlich rund eine Woche dauern, ergänzte Schneiderhan. Spekulationen über eine neue Befehlslage in Afghanistan wies er jedoch zurück: “Es gibt keine neue Befehlslage, sondern eine neue Lage.” Die Taliban hätten ihre Taktik geändert und lockten Bundeswehrsoldaten vermehrt in Hinterhalte anstatt wie früher Sprengstoffattentate zu verüben. Die QRF müsse jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, die ihr zur Verfügung stünden. Welche Waffen eingesetzt würden, müssten die Kommandierenden vor Ort entscheiden.

Die Sicherheitslage habe sich in bestimmten Gebieten Afghanistans verschärft, sagte Jung. Er nannte unter anderem ein Gebiet mit einem Radius von rund 30 Kilometern rund um Kundus. “Wir stehen auch in konkreten Kampfsituationen unseren Mann”, erklärte der CDU-Politiker. Eine der wichtigste Aufgabe der Bundeswehr am Hindukusch bleibe aber die Ausbildung afghanischer Soldaten und Polizisten. Die Regierung in Kabul müsse in Zukunft selbst in der Lage sein, für Sicherheit zu sorgen und den “Rückfall in terroristische Strukturen” verhindern.

SPD UND GRÜNE RECHNEN MIT WEITERER ZUNAHME DER GEWALT

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD im Bundestag, Rainer Arnold, rechnet mit einer weiteren Eskalation der Gewalt. “Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Situation im Vorfeld der Wahlen in Afghanistan weiter zuspitzt”, sagte er dem “Handelsblatt”. Auch der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, warnte vor einer Spirale der Gewalt. Im Raum Kundus seien zuletzt 500 Stellen bei den Sicherheitskräften gestrichen worden. Dadurch hätten sich die Taliban dort festsetzen können. Der Parteichef der Linken, Oskar Lafontaine forderte einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan.

Dort sind derzeit rund 4000 Bundeswehrsoldaten stationiert, zumeist im Norden des Landes. In der Vergangenheit haben die Kämpfe zwischen Bundeswehr und radikal-islamischen Taliban zugenommen. In Deutschland streitet deshalb die Koalition, ob sich die Soldaten am Hindukusch in einem Krieg befinden. Während SPD-Fraktionschef Peter Struck dies so sieht, will Jung nicht von einem Krieg sprechen.

In Afghanistan wird am 20. August ein neuer Präsident gewählt. Mit dem Ziel, die Sicherheitslage vor der Wahl zu verbessern, haben die USA zu Monatsbeginn eine Großoffensive gegen Taliban-Hochburgen im Süden des Landes begonnen. Der Einsatz ist der erste große Test für die neue Afghanistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama, für die die US-Truppen am Hindukusch bis Jahresende massiv aufgestockt werden sollen.

Die Bundesregierung hat bislang darauf beharrt, dass die Bundeswehr im Norden Afghanistans bleibt und sich aus dem Anti-Terror-Einsatz an der Grenze zu Pakistan heraushält.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below