December 4, 2019 / 11:25 AM / 2 days ago

Kramp-Karrenbauer offen für stärkere Bewaffnung deutscher Soldaten in Kundus

German Defense Minister Annegret Kramp-Karrenbauer speaks during a joined news conference in Kabul, Afghanistan December 3, 2019. REUTERS/Omar Sobhani

Kundus (Reuters) - Bei einem Besuch der nordafghanischen Krisenprovinz Kundus hat sich Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer offen für eine stärkere Bewaffnung der deutschen Soldaten dort gezeigt, deren Lager zuletzt mehrfach mit Raketen beschossen wurde.

Es seien Maßnahmen eingeleitet, um die Aufklärung aus dem Lager heraus zu verbessern, kündigte die Ministerin am Mittwoch im Camp Pamir an. Außerdem gebe es Hilfe von den US-Truppen und afghanischen Soldaten. “Was uns im Moment fehlt, ist die Möglichkeit, auch aktiv selbst für Schutz zu sorgen. Das heißt, wir können zwar in der Überwachung sehen, wo zum Beispiel Raketenstellungen sind, auch mitverfolgen, wie sie abgeschossen werden, aber wir können sie nicht selbständig ausschalten.”

Es sei völlig klar, dass die Soldaten den Wunsch hätten, sich wehren zu können, sagte die Ministerin. “Das muss man aber dann eben auch im Bundestag mit allen Verantwortlichen besprechen.” Details nannte sie nicht. Zur Bekämpfung feindlicher Raketenstellungen bieten sich nach Angaben aus Militärkreisen mehrere Möglichkeiten. Dazu zählt unter anderem der Einsatz einer bewaffneten Drohne wie der Heron TP, die die Bundeswehr bestellt hat - bisher allerdings ohne Bewaffnung. Die Drohne habe den Vorteil, dass sie sehr zielgenau sei und damit zivile Opfer vermieden würden, hieß es. Bis das Fluggerät allerdings in Afghanistan zum Einsatz kommen könnte, dürften etliche Monate vergehen. Andere Optionen wären der Einsatz einer Panzerhaubitze oder von Mörsern, die zwar rasch verfügbar wären, aber weniger präzise sind.

Kramp-Karrenbauer tendiert offenbar zu einer Bewaffnung der Heron TP. “Wenn ich den Wunsch hier der Soldaten mitnehme, und ich kann ihn ehrlich gesagt nachvollziehen, dann spricht vieles für die Bewaffnung der Drohne”, sagte sie. Es gehe um den Eigenschutz der Soldaten. Die SPD steht einer Bewaffnung der Drohne allerdings kritisch gegenüber.

Kundus war bis zum Abzug der Bundeswehr 2013 viele Jahre lang der gefährlichste Einsatzort deutscher Truppen. 16 deutsche Soldaten wurden in der Region getötet. Weil die Sicherheitslage sich immer weiter verschlechterte, kehrten deutsche Ausbilder ab 2016 zeitweise nach Kundus zurück. Seit 2018 haben sie dort dauerhaft ihr eigenes, speziell gesichertes Lager innerhalb des Camp Pamir, in dem Tausende afghanische Soldaten stationiert sind. Derzeit tun etwa 100 deutsche Soldaten dort Dienst. Anfang Juli schlug eine Rakete im deutschen Lager - dem sogenannten Safe Haven - ein, im August trafen mehrere Geschosse das umliegende Camp Pamir.

Kramp-Karrenbauer war die erste deutsche Ministerin, die den Safe Haven in Kundus besuchte. Ihre Reise fand unter schweren Sicherheitsvorkehrungen statt: Während des Besuchs kreisten US-Kampfhubschrauber und Kampfjets zum Schutz der Ministerin am Himmel. Camp Pamir liegt etwa drei Kilometer vom alten Bundeswehr-Stützpunkt entfernt, den inzwischen die afghanische Polizei nutzt. Zuletzt hatten der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maiziere und der damalige Außenminister Guido Westerwelle 2013 dieses Feldlager besucht, um die deutschen Soldaten aus Kundus zu verabschieden. Kundus ist bis heute eine der am härtesten umkämpften Provinzen in ganz Afghanistan.

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