December 19, 2017 / 8:30 AM / 7 months ago

Von der Leyen will mehr Soldaten nach Afghanistan schicken

Masar-i-Scharif (Reuters) - Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen strebt eine Aufstockung der deutschen Truppen in Afghanistan an.

German Defence Minister Ursula von der Leyen speaks during a session of the Bundestag, German lower house of Parliament in Berlin, Germany, November 21, 2017. REUTERS/Axel Schmidt

“Mir sagen die Soldatinnen und Soldaten, vor allen Dingen die Ausbilder: Wir haben genug Ausbilder, wir könnten aber deutlich mehr machen, wenn wir bessere Schutzkomponenten hätten, mehr Schutzkräfte”, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag bei einem Besuch im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Zur Größenordnung einer Aufstockung äußerte sie sich nicht. “Wir müssen das im Parlament diskutieren.” Das Thema dürfte zu einem Streitpunkt in den Gesprächen mit der SPD über eine Regierungsbildung werden.

Die Bundeswehr hat derzeit 980 Soldaten am Hindukusch stationiert und reizt damit das Bundestagsmandat, das noch bis Ende März läuft, voll aus. Die USA hatten ihre Verbündeten im Zuge ihres Kurswechsels am Hindukusch zuletzt zu einer Truppen-Aufstockung aufgefordert. Auch die USA selbst wollen nach Jahren des Truppenabbaus nun wieder Tausende zusätzliche Soldaten schicken. Zu Hochzeiten des Isaf-Kampfeinsatzes waren rund 150.000 ausländische Soldaten am Hindukusch im Einsatz. Aktuell sind es noch gut 17.000, darunter 10.000 Amerikaner. Deutschland erhöhte allerdings bereits 2016, als die USA und die meisten anderen Nationen die Zahl ihrer Soldaten in Afghanistan noch verringerten, die eigene Mandatsobergrenze wieder auf 980 von 850. Die Bundeswehr ist damit der zweitgrößte Truppensteller nach den USA.

VON DER LEYEN: TALIBAN MÜSSEN AN VERHANDLUNGSTISCH

Von der Leyen warb für Verhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den radikalislamischen Taliban. Die Aufgabe der afghanischen Sicherheitskräfte sei, “Druck auf die Taliban auszuüben mit dem Ziel, dass die gesprächsbereiten Taliban an den Verhandlungstisch kommen”, sagte die Ministerin. “Nur das wird auf Dauer zum Erfolg führen.” Zugleich kündigte sie einen Bericht über das deutsche Engagement in Afghanistan in den vergangenen Jahren an, der sehr viel umfassender ausfallen werde als frühere Reports. Er solle auch die Ziele, die Deutschland am Hindukusch erreichen wolle, sehr viel klarer definieren. US-Schätzungen zufolge hat die afghanische Regierung nur noch etwa zwei Drittel ihres Landes unter Kontrolle. Die Nato will den einheimischen Sicherheitskräften helfen, bis 2020 etwa 80 Prozent Afghanistans abzusichern.

Die deutschen Soldaten stützten von der Leyens Forderung nach einer Truppen-Aufstockung. Er hoffe auf ein Mandat, das ihm mehr Flexibilität gebe, erklärte der Kommandeur der Truppen im Norden, General Wolf-Jürgen Stahl. “Wenn wir mehr Kräfte bekommen, können wir mehr rausfahren”, sagte auch sein Planungsoffizier. Wichtig sei, dass die Berater wirklich eine Verbindung zu ihren afghanischen Gegenübern aufbauten. “Das kann ich natürlich nicht, wenn ich zwei, drei, vier Verschiedene berate”, erklärte der Oberstleutnant.

Hauptauftrag der deutschen Soldaten ist die Beratung der einheimischen Armee und Polizei. Die Bundeswehr stellt dafür 80 Ausbilder, die übrigen Nationen im Feldlager in Masar-i-Scharif steuern weitere rund 20 Experten bei. Die Berater sind vor allem im Hauptquartier der afghanischen Armee im Norden, im rund 20 Kilometer vom deutschen Lager entfernten Camp Schahin, sowie in einem afghanischen Feldlager in der Unruhe-Provinz Kundus im Einsatz. Während sie ihren Auftrag erledigen, werden sie von weiteren Soldaten als Leibwächtern geschützt.

Wegen der verschlechterten Sicherheitslage verschärfte die Nato jedoch die Sicherheitsvorkehrungen. Seit Anfang des Jahres schreibt sie nach Bundeswehrangaben eine höhere Zahl von Leibwächtern je Ausbilder sowie eine stärkere Mindestgröße für Fahrzeug-Konvois vor, die die Berater transportieren. Die Ausbilder haben gemeinsam mit ihren Beschützern eine der gefährlichsten Aufgaben bei der Bundeswehr in Afghanistan, da sie außerhalb des Camps arbeiten. Im April wurden bei einem Anschlag auf das Camp Schahin, wo regelmäßig deutsche Berater im Einsatz sind, über 140 afghanische Soldaten getötet.

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