June 7, 2018 / 4:04 PM / 4 months ago

Afghanistan ruft einseitige Waffenruhe mit Taliban aus

Kabul (Reuters) - Afghanistan hat erstmals eine einseitige bedingungslose Waffenruhe im Kampf gegen die radikalislamischen Taliban ausgerufen.

Afghan security forces keep watch at the site of a suicide attack in Kabul, Afghanistan June 4, 2018. REUTERS/Omar Sobhani

Die Waffen sollten bis zum 20. Juni schweigen, dem Ende des Ramadan, erklärte Afghanistans Präsident Aschraf Ghani am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Die Einsätze gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) und andere militante Gruppen würden dagegen fortgesetzt. Der Schritt wurde international begrüßt, eine Stellungnahme der Taliban stand zunächst aus. Ghani hatte ihnen Anfang des Jahres Friedensgespräche angeboten, was diese im April jedoch ausschlugen.

Die Waffenruhe während des Fastenmonats sei eine Gelegenheit für die Taliban, sich selbst zu prüfen und festzustellen, dass sie nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewännen, sondern sich weiter von ihnen entfernten, sagte Ghani. Die Afghanen wollten eine friedliche Lösung des Konflikts. Der Präsident hatte sich wiederholt für Feuerpausen mit den Islamisten ausgesprochen. Dies ist jedoch das erste Mal seit seiner Wahl 2014, dass er eine bedingungslose Waffenruhe anbietet.

Das US-Militär in Afghanistan kündigte an, sich der Feuerpause anzuschließen. Gegen den IS und der Al-Kaida werde jedoch weiter gekämpft. In einer Erklärung des US-Außenministeriums hieß es, das Angebot unterstreiche, wie die Regierung in Kabul “aus nationaler und religiöser Verantwortung” dem Frieden verpflichtet sei. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, es handle sich um einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Frieden. Auch die Nato, die UN und Russland begrüßten die Ankündigung.

Der ehemalige afghanische General Atikullah Amarkhel zeigte sich dagegen skeptisch. Die Feuerpause werde den Taliban eine Gelegenheit geben, sich neu aufzustellen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. “Aus militärischer Sicht ist das kein guter Schritt.”

In Afghanistan kämpfen die Taliban und andere Gruppen gegen Regierungstruppen, die von den USA und weiteren Nato-Staaten unterstützt werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwoch erklärt, dass die Bundesregierung Einschränkungen bei der Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern aus Afghanistan wieder aufhebt. Die meisten Rückführungen waren wegen der unsicheren Sicherheitslage in dem Land voriges Jahr ausgesetzt worden.

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