September 13, 2010 / 5:10 AM / 9 years ago

Tote bei Protesten in Afghanistan gegen Koran-Schändung

An Afghan protester gestures near a fire during a demonstration against the planned burning of copies of the Koran by a small U.S. church, in Nangarhar province September 10, 2010. REUTERS/Parwiz

Kabul (Reuters) - Bei erneuten Protesten in Afghanistan gegen eine in den USA angekündigte Koran-Verbrennung sind am Sonntag zwei Demonstranten getötet worden.

Wie die Behörden mitteilten, erlagen sie im Krankenhaus ihren Verletzungen, nachdem Sicherheitskräfte das Feuer auf die Protestierenden eröffnet hatten. Am Vortag waren vier Demonstranten schwer verletzt worden. Am Freitag wurde in der nordöstlichen Provinz Badachschan ein Demonstrant vor einem Bundeswehrstützpunkt erschossen.

Die Proteste am Sonntag ebbten zunächst ab. Es wurde aber befürchtet, dass sie erneut aufflammen könnten, wenn bekannt wird, dass es am Samstag in den USA zu mindestens drei Fällen von Koran-Schändungen kam. Zwar hatte Pastor Terry Jones seine für den neunten Jahrestag der Anschläge vom 11. September angesetzte Koran-Verbrennung am Freitag kurzfristig doch abgesagt. Einige Menschen in den USA fühlten sich jedoch von ihm offensichtlich inspiriert. So rissen in New York zwei Männer während einer Demonstration gegen ein geplantes islamisches Gemeindezentrum Seiten aus der heiligen Schrift der Muslime. Einer zündete diese anschließend an, der andere machte vulgäre Gesten mit den herausgetrennten Blättern. In der Nähe von Nashville im Bundesstaat Tennessee verbrannten zudem zwei evangelikale Prediger mindestens zwei Koran-Ausgaben.

Jones hatte mit seinem Vorhaben für weltweite Empörung gesorgt und Proteste zahlreicher aufgebrachter Muslime provoziert. “Tod für Amerika” und “Tod den Christen”, skandierten die Demonstranten am Sonntag, als sie sich auf den Weg nach Pul-e-Alam in der Provinz Logar südlich von Kabul machten. “Der Gouverneur muss uns eine Garantie geben, dass die Kirche den Koran nicht verbrennen wird. Sonst werden wir zu Tausenden Stützpunkte ausländischer Truppen angreifen”, drohte einer der Protest-Teilnehmer.

US-Präsident Barack Obama hatte gewarnt, dass Jones’ Vorhaben die amerikanischen Truppen in Afghanistan gefährde und das Risiko für Anschläge in westlichen Städten steigen könne. In der Vergangenheit haben empfundene Schändungen muslimischer Symbole immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen geführt. In Afghanistan starben in den vergangenen Jahren deswegen Dutzende Menschen, unter anderem 2005 nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung. Deren Zeichner Kurt Westergaard hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen mit einem Medienpreis geehrt, wofür sie vom deutschen Zentralrat der Muslime kritisiert wurde.

Beobachter befürchten, dass die jüngsten Proteste auch die Parlamentswahl in Afghanistan am 18. September gefährden, da sich die ohnehin schwierige Sicherheitslage noch einmal verschlechtern könnte. Ein Taliban-Kommandeur, der für die Abstimmung Raktetenangriffe auf Wahllokale geplant habe, sei am Samstag getötet worden, teilte die Nato-geführte Isaf-Truppe am Sonntag mit.

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