April 29, 2019 / 11:12 AM / 25 days ago

Große Ratsversammlung sucht nach Wegen für Frieden in Afghanistan

Afghan men attend a consultative grand assembly, known as Loya Jirga, in Kabul, Afghanistan April 29, 2019. REUTERS/Omar Sobhani

Kabul (Reuters) - In Afghanistan suchen Tausende Volksvertreter bei der großen Ratsversammlung nach Wegen für Friedensverhandlungen mit den Taliban und einem Ende des seit fast 18 Jahren andauernden Krieges.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen kamen am Montag rund 3200 Stammesälteste, geistliche Führer und kommunale Delegierte aus allen 34 Provinzen des Landes am Hindukusch zu der nur selten einberufenen Loja Dschirga nach Kabul. Bei den auf vier Tagen angesetzten Beratungen wollen die Repräsentanten der verschiedenen Volksgruppen die Rahmenbedingungen der Regierung für ein Abkommen mit den Islamisten abstecken. Präsident Aschraf Ghani will so Einfluss auf die Friedensverhandlungen zwischen den USA und den Taliban nehmen, von denen seine Regierung von den radikal-islamischen Rebellen ausgeschlossen wurde.

Eine Loja Dschirga soll einen Konsens zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und Stammesfraktionen erreichen und wird traditionell bei außergewöhnlichen Umständen einberufen. “Heute sind wir versammelt, um über die Friedensgespräche zu sprechen”, sagte Ghani bei der Eröffnungsfeier in einem riesigen Zelt, das für die Zusammenkunft im Zentrum der Hauptstadt errichtet wurde.

Hintergrund sind die seit Oktober laufenden US-Gespräche mit den Taliban in Katar. Präsident Donald Trump will den längsten Krieg der USA beenden. Er begann Ende 2001 wenige Wochen nach den Anschlägen vom 11. September in New York, als von den USA unterstützte Streitkräfte die damals herrschenden und mit den Al-Kaida-Islamisten verbündeten Taliban stürzten. Trump will für einen Abzug der US-Truppen von den Taliban eine Garantie, dass Afghanistan nicht wieder ein Unterschlupf für Extremisten wird, die weltweit Anschläge verüben.

Allerdings weigern sich die Taliban, mit der Ghani-Regierung zu verhandeln, die sie als ausländische Marionette bezeichnen. Sie lehnten auch die Einladung Ghanis zur Teilnahme an der Loja Dschirga ab und riefen zu einem Boykott der Versammlung auf. In der Vergangenheit hatten sie sogar Raketen auf das Konferenz-Zelt abgefeuert. Aber auch führende Oppositionspolitiker und Regierungskritiker wie Ex-Präsident Hamid Karsai boykottieren die Loja Dschirga. Sie werfen Ghani vor, die Versammlung als Wahlkampfplattform zu missbrauchen. Ghani strebt bei der Präsidentschaftswahl im September eine zweite Amtszeit an.

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