October 4, 2015 / 11:00 AM / 3 years ago

Entsetzen über Angriff auf Krankenhaus in Afghanistan

Afghanistan's President Ashraf Ghani speaks during a news conference in Kabul, Afghanistan September 29, 2015. Afghan forces backed by U.S. air support battled Taliban fighters for control of the northern city of Kunduz on Tuesday, after the militants seized a provincial capital for the first time since their ouster 14 years ago. REUTERS/Mohammad Ismail

- von Mirwais Harooni und Andrew MacAskill

Kabul (Reuters) - Ein mutmaßlicher US-Luftangriff auf ein Krankenhaus in der afghanischen Stadt Kundus hat weltweit Entsetzen ausgelöst.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Angriff auf die Klinik der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen scharf, bei dem am Samstag mindestens 19 Menschen ums Leben kamen. Er forderte eine gründliche und unabhängige Untersuchung. Der UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein sagte, es handle sich möglicherweise um ein Kriegsverbrechen. US-Präsident Barack Obama bekundete den Hinterbliebenen sein Beileid und sprach von einem tragischen Vorfall. Ärzte ohne Grenzen kündigte an, sich nach der Zerstörung des Krankenhauses weitgehend aus der Stadt zurückzuziehen.

Nach Einschätzung der Organisation deutet alles darauf hin, dass das Bombardement auf die von den USA geführte Militärallianz zurückgeht. Obama sagte, eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Das Präsidialamt gehe davon aus, dass alle Umstände aufgeklärt würden. Die US-Streitkräfte räumten ein, einen Angriff in der Nähe der Klinik geflogen zu haben. Dieser habe Taliban-Kämpfern gegolten, die auf US-Soldaten geschossen hätten.

Das afghanische Verteidigungsministerium erklärte, die Extremisten hätten die Klinik angegriffen und das Gebäude als “menschliches Schutzschild” missbraucht. Ärzte ohne Grenzen wies diese zurück. “Die Tore der Klinik waren die ganze Nacht geschlossen. Während des Bombardements befand sich niemand im Gebäude, der nicht Mitarbeiter, Patient oder Angehöriger ist”, erklärte die Organisation. “Eine Bombardierung eines voll funktionsfähigen Krankenhauses kann jedoch unter keinen Umständen gerechtfertigt werden.”

ORGANISATION: KOORDINATEN VON KRANKENHAUS ÜBERMITTELT

Nach Angaben von Augenzeugen verbrannten Patienten in der überfüllten Klinik bei lebendigem Leib. Auch drei Kinder kamen ums Leben. Wütende Mitarbeiter der Hilfsorganisation hätten nach Beginn der Bombardierung Nato-Vertreter in Kabul und Washington angerufen, sagte ein Sprecher von Ärzte ohne Grenzen. Dennoch seien noch eine Stunde lang Bomben auf das Gebäude niedergegangen. Die Koordinaten der Einrichtung seien allen Konfliktparteien übermittelt worden, um zu verhindern, dass das Krankenhaus unter Beschuss gerate. Zum Zeitpunkt des Angriffes hielten sich in der Anlage knapp 200 Menschen auf.

Die radikalislamischen Taliban hatten Kundus Anfang der Woche eingenommen. Der afghanischen Armee gelang es inzwischen, viele Kämpfer zu vertreiben. Dennoch gibt es noch immer Gefechte, weil sich Extremisten in Häusern verschanzt halten.

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