March 4, 2019 / 6:46 AM / in 2 months

Bouteflika bietet Rückzug binnen eines Jahres nach Wiederwahl an

Demonstrators stand on the Monument to the Republic during a protest against Algerian President Abdelaziz Bouteflika seeking a fifth term in a presidential election set for April 18, in Paris, France, March 3, 2019. REUTERS/Christian Hartmann TPX IMAGES OF THE DAY

- von Lamine Chikhi und Hamid Ould Ahmed

Algier (Reuters) - Algeriens Präsident Abdelaziz Bouteflika bietet einem TV-Bericht zufolge angesichts der Massenproteste seinen Rückzug nach einem Jahr an.

Bouteflika reichte nach Angaben seines Wahlkampfmanagers am Sonntag seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl am 18. April formell ein. Zugleich kündigte er an, Neuwahlen auszurichten, sollte der 82-Jährige gewählt werden. Dies werde binnen eines Jahres geschehen, zitierte der Sender Ennahar den Wahlkampfmanager. Zehntausende gingen auch am Sonntag in mehreren Städten Algeriens auf die Straße, um gegen eine fünfte Amtszeit Bouteflikas zu protestieren. Es sind die größten Demonstrationen seit dem Arabischen Frühling 2011.

Allein in der Hauptstadt Algier versammelten sich zahlreiche Studenten vor mehreren Universitätsgebäuden. Diplomaten sprachen von rund 70.000 Menschen. Unter einem massiven Aufgebot an Sicherheitskräften protestierten sie auch in der Nähe des Verfassungsrats. “Keine fünfte Amtszeit”, skandierten die Demonstranten und forderten ein “freies und demokratisches Algerien”. “Wir werden nicht aufhören, bis wir dieses System losgeworden sind”, sagte Aicha, eine 23-jähriger Studentin.

Nicht nur in Algier gingen Demonstranten auf die Straße. Augenzeugen und örtliche Medien berichteten von Protesten unter anderem in Oran, Batna, Skikda, Slida und Bouira.

OPPOSITION SCHWACH UND ZERSTRITTEN

Bouteflika ist seit 1999 Staatsoberhaupt eines Landes, in dem 70 Prozent der Bevölkerung jünger als 30 Jahre sind. Bei einer Wiederwahl würde er seine fünfte Amtszeit antreten. Die Proteste gegen eine Kandidatur Bouteflikas hatten vor rund eineinhalb Wochen begonnen. Am Freitagabend war es zur bislang größten Kundgebung gegen die Führung in Algerien gekommen. Staatlichen Medien zufolge wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei mehr als 180 Menschen verletzt.

Bouteflika sitzt seit einem Schlaganfall, den er 2013 erlitten hat, im Rollstuhl. Seither war er nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen und hat seit Jahren keine öffentlichen Reden mehr gehalten. Schweizer Medien zufolge hielt er sich am Wochenende noch immer in einer Klinik in Genf zu medizinischen Untersuchungen auf. Gleichwohl stehen Bouteflikas Chancen für eine Wiederwahl gut, da die Opposition in dem nordafrikanischen Land, einem wichtigen Gaslieferanten für Europa, schwach und zersplittert ist. Ihr gelang es nicht, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen: Bis Sonntagabend reichten sieben Bewerber ihre Kandidatur ein. Zumindest kurzfristig würde die Wiederwahl Bouteflikas für die Eliten - das Militär und die Konzernchefs - Stabilität verheißen und einen Streit über die Nachfolge an der Spitze des Staates aufschieben.

0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below