April 16, 2012 / 7:03 AM / 7 years ago

Amerika-Gipfel endet ohne gemeinsame Abschlusserklärung

Cartagena (Reuters) - Der Amerika-Gipfel im kolumbianischen Cartagena ist am Sonntag ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung zu Ende gegangen.

Die rund 30 Staats- und Regierungschefs konnten sich nicht auf einen Konsens einigen, wie der Gastgeber, der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos, auf einer Pressekonferenz nach zweitägigen Beratungen sagte. Streitigkeiten über Kuba und Drogen sowie eine Sex-Affäre um US-Personenschützer hatten Präsident Barack Obamas Charme-Offensive belastet. Die USA bestanden darauf, Kuba auch künftig die Teilnahme an dem nächsten Gipfel der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu verweigern. Eine Gruppe von linken Staatschefs regierter Länder unter Führung Venezuelas drohte daraufhin mit dem Boykott künftiger Treffen.

Im Gegensatz zu früheren Gipfeln setzte sich auch der treue US-Verbündete Kolumbien für eine Einladung an Kuba ein, das seit den 1960er Jahren von der OAS geschnitten wird. Obama wandte sich zugleich gegen die Forderung lateinamerikanischer Länder, Anbau oder Konsum von Drogen zu legalisieren, um dem Handel mit Rauschgift Gewinnanreize zu entziehen. “Ich persönlich glaube nicht, dass das die Lösung des Problems ist”, wandte sich Obama gegen den Ruf nach einem neuen Ansatz im Krieg gegen die Drogen.

Zudem umwarb Obama die Lateinamerikaner als gleichberechtigte Handelspartner. Der um seine Wiederwahl kämpfende Präsident steht in der Kritik, den Süden des amerikanischen Kontinents über den Konflikten um den Irak und Afghanistan zu ignorieren. Diese Obama vorgeworfene Schwäche hat China genutzt und ist beispielsweise wichtigster Handelspartner Brasiliens geworden. Dessen Präsidentin Dilma Rousseff las Obama wegen der lockeren Geldpolitik der USA und der Euro-Zone die Leviten. Dieser Kurs zwinge Entwicklungsländer zur Aufwertung und gefährde deren Konkurrenzfähigkeit. “Dagegen müssen wir uns verteidigen, hören Sie, verteidigen, nicht schützen”, sagte Rousseff an die Adresse Obamas.

Für Gesprächsstoff am Rande der Tagung sorgte eine Affäre um kolumbianische Prostituierte, wegen der elf US-Leibwächter vorzeitig nach Hause geschickt wurden und fünf Soldaten in Arrest kamen. “Ich wollte beim Frühstück über Handel und Drogen sprechen, doch die anderen Delegierten wollten nur über die Geschichte mit den Agenten und den Huren reden”, sagte ein lateinamerikanischer Diplomat. “Obamas Bewacher wegen Prostitution aus Kolumbien ausgewiesen - Schande über die Gringos, die Lateinamerika für ein Bordell halten und sich so benehmen”, schimpfte der linke kolumbianische Kolumnist Nicmer Evans über Twitter.

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