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Weltnachrichten

Bericht über türkischen Jet-Abschuss verschärft Bergkarabach-Konflikt

A still image from a video released by the Armenian Defence Ministry shows what is said to be Azerbaijani tanks and service members during at attack in the breakaway region of Nagorno-Karabakh, in this still image from footage released September 27, 2020. Defence Ministry of Armenia/Handout via REUTERS

Baku/Jerewan/Mailand (Reuters) - Ein Bericht über den Abschuss eines armenischen Kampf-Jets durch die türkische Luftwaffe hat die Furcht vor einer Ausweitung des Konflikts um Bergkarabach verstärkt.

Eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums erklärte am Dienstag, eine türkische F-16 habe die Maschine des Typs Su-25 im armenischen Luftraum abgeschossen. Der Pilot sei ums Leben gekommen. Ein Sprecher der türkischen Regierung wies die Angaben als “absolut unwahr” zurück und warf Armenien “billige Propaganda-Tricks” vor. Die Regierung in Ankara ist mit Aserbaidschan verbündet, während Armenien von Russland unterstützt wird. Der Streit der beiden Südkaukasus-Staaten um die Region Bergkarabach war in den vergangen Tagen wieder in schwere Kämpfe umgeschlagen.

Beide Seiten warfen sich dabei am Dienstag vor, auch Gebiete jenseits von Bergkarabach unter Beschuss zu nehmen. Aserbaidschan berichtete von zwölf getöteten Zivilisten, Armenien verzeichnete nach eigener Darstellung den ersten Toten durch Artillerie-Beschuss. Die Regierung in Moskau wie auch US-Außenminister Mike Pompeo riefen die beiden ehemaligen Sowjetstaaten zur Einstellung der Kämpfe auf. Auch Kanzlerin Angela Merkel hat einem Sprecher zufolge in Telefonaten mit dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Staatsoberhaupt Ilham Alijew einen Waffenstillstand und Verhandlungen verlangt. Alijew sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur RIA, die Haltung Armeniens lasse Gespräche gegenwärtig nicht zu. Auch Paschinjan sagte RIA, wegen der Kämpfe seien Verhandlungen unangebracht.

Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines. Der Direktor der Transadriatischen Pipeline (TAP), Luca Schieppati, sagte auf einer Energie-Konferenz in Mailand, eine Gefahr für die Versorgung Europas bestehe durch die neuen Kämpfe zunächst nicht. TAP ist der letzte Abschnitt des Südlichen Gaskorridors, einem EU-Projekt mit einem Volumen von 40 Milliarden Dollar, das Erdgas von Aserbaidschan nach Italien transportieren soll. Dies soll Europa von russischen Gaslieferungen unabhängiger machen. “Zum Glück ist der Korridor weit weg von dem kritischen Gebiet”, sagte Schieppati. Der Betrieb der Pipeline könne wie geplant bis Jahresende beginnen.

Bergkarabach liegt in Aserbaidschan und hatte sich während eines Krieges in den 90er Jahren von dem Land losgesagt, wird jedoch von keinem Staat als unabhängige Republik anerkannt. Zwar schlossen das mehrheitlich christliche Armenien und das mehrheitlich muslimische Aserbaidschan 1994 einen Waffenstillstand. Dennoch melden beide Seiten regelmäßig Angriffe rund um Bergkarabach mit seinen etwa 150.000 Einwohnern - etwa der Bevölkerung von Paderborn - sowie entlang der gemeinsamen Grenze.

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